Hasse ma ‘n Euro?! oder: Mottowoche im Abijahrgang Part I

Wir sind Abiturienten. Wir sind volljährig. Wir sind auf dem besten Weg, den höchstmöglichen Bildungsabschluss zu erlangen, den die Bundesrepublik zu bieten hat.

Das muss aber noch lange nicht heißen, dass wir reif und erwachsen sind!



Montag, 07:50 Uhr in der Früh:

Zwei einsame Gestalten passieren das Schulgelände. Löchrige Turnschuhe, Jogginghose in dicke Wollsocken gesteckt  und zerschnittene Jeans, Feinrippunterhemd mit Lederjacke kombiniert und Hippiewolljacke, rosa Kopftuch mit herumgedrehter Kappe und rotes Stirnband mit Sternen. Die eine Gestalt ich, die andere Mareike. Ich mit Lidl-Tüte in der Hand.

Der Unterricht beginnt, die Schüler der unteren Jahrgangsstufen lachen oder schauen verblüfft.
Die Mottowoche hat begonnen. Es ist das, worauf ich mich mein halbes Leben lang gefraut habe; die Zeit, die nie wiederkehren wird, die Schulzeit, gebührend zu verabschieden.
Es ist Montag und weil jeder Schüler Montage hasst, ist heute der „Asitag“.

09:35 Uhr:

Es klingelt zur ersten Pause und somit ist es auch an der Zeit für die anderen Schüler meiner Stufe, ihre ranzigen Kleider und Einkaufstüten in Richtung Schule zu bewegen.
Man trifft sich auf dem kleinen Parkplatz vor der Schule, dreht die Musik im Auto ein wenig lauter (ein eigens zusamengestellter Asimix mit Micky Krause, Guildo Horn, Fettes Brot, Bushido und vielen mehr) und vergnügt sich ob der lustigen Bekleidung.
Haha, pinke Hotpants zu langen Skisocken! Hihi, ein Fischerhut über eine Kappe, dazu verdrecktgrüne Badelatschen und – natürlich – Jogginghosen! Juhuu, ein Schalke-T-Shirt!

Und was ist das?

Wer kommt dort in Lisas Auto angefahren? Man sieht erst nichts, dann ein Schild… „Hasse ma ’n Euro?“
Eine Kappe, lange Haare, schwarze Zähne… Eine Gitarre!

Ja, Houda hat wirklich den Vogel abgeschossen an diesem Tag, mit ihrer Kostümierung! In ihrem blauen Trainingsanzug, wahrscheinlich original aus den 80ern, mit den Gesundheitslatschen und der zerkratzen Akustikgitarre sah sie nicht nur aus wie ein waschechter Herner Penner, nein, sie verhielt sich auch so – welch brilliante Schauspielkunst! 🙂

So zogen wir also los, den Matheunterricht zu stürmen.

Tatsächlich, und wir glaubten es kaum, bekamen wir quasi frei und verbrachten einige Minuten damit, unseren Lehrer zu amüsieren und ich interviewte Houda mit dem Camcorder, während sie „Über sieben Brücken musst Du geh’n“ krähte und dabei schiefe Töne auf der Gitarre „spielte“ (das gute alte Teil ist so verstimmt, dass man sicher niemals mehr einen geraden Ton darauf spielen können wird!). Danach machten wir noch ein (paar) Gruppenfoto(s) und brachen alsbald auf, den Rest der Lehrer- und Schülerschaft mit unserem fröhlichen Gesang Gekreische und Gegröhle zu verzücken.

Wir stürmten den Neubau, den Altbau, die Sporthalle… Wir stürmten sogar doppelt und dreifach und sind mindestens einmal auf Youtube zu finden! Wenn ich euch kleinen Bastarde erwische, dann drehe ich euch den Hals um!

Oh, es sollte erwähnt werden, dass wir natürlich nicht nur oben genanntes Lied sangen – nein! Unser Repertoire bestand zudem noch aus „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Wahnsinn“ von Wolle und „Kumbaya“ (natürlich begleitet von dem immer gleichen Krach den lieblichen Gitarrenriffs aus Houdas Gitarre).
Hätte ich nicht selbst gesungen, so wäre ich sicher schreiend weggelaufen! 🙂
Aber einen solchen Tag gibt es nur einmal im Leben und somit musste er ja episch werden. liebenswürdige Stufenleitung), „Wahnsinn“ von Wolle und „Kumbaya“ und zu all diesen Liedern spielte Houda

Nach unserem Streifzug verbrachten wir noch ein wenig Zeit auf der Straße (wo auch sonst? Eine Brücke gibt es in der näheren Umgebung schließlich nicht!).
Houda konnte sich nicht zusammenreißen und „schnorrte“ an der Ampel wartende Autofahrer an – zu ihrem Leidwesen jedoch auch eine Fahrradfahrerin, ca. Ende 30, die sie daraufhin freundlichst im Vorbeifahren anspuckte und sodann bei rot über die Ampel fuhr.
Houda: „Und uns nennen die Leute Asis!“

11:30 Uhr, zweite Pause:

Wie dekoriert man seine Umwelt, wenn man ein Asi ist? Ganz genau, mit ausgelesener BLÖDzeitung! 🙂
Und zwar direkt vor der Tür der Neubaus, dort, wo auch bloß viele Lehrer vorbeikommen, die einem ja vielleicht für ein Ständchen einen Euro geben – pro Strophe! Es ist ja alles für den guten Zweck (Bier).

Und tatsächlich haben wir am heutigen Tag knappe fünf Euro zusammengeschnorrt. Dazu gesellen sich diverse MB an Bildmaterial, einige Videos und ein Montag, den man nie vergisst! 🙂


Morgen folgt übrigens der Businesstag und ich hoffe, dass dort zwar wahrscheinlich nicht allzu lustige aber dafür doch erinnerungswürdige Bilder entstehen werden!

Vorabi… die letzte! + Frühlingsimpressionen

Lasst es mich so ausdrücken: WOOOOOHOOOOO!

Endlich habe ich sie hinter mich gebracht, diese drei Klausuren, dieses Lernen und die nächsten paar Wochen kann ich somit erst einmal die Füße hochlegen und nebenbei hier und da für die Prüfungen lernen.

Übrigens ist gestern in meinem Vorgarten der Frühling ausgebrochen und ich konnte es nicht vermeiden, meine Kamera aus der Tasche zu ziehen und diesen Moment festzuhalten 🙂


Vorabi, die Zweite!

Haltet mich für verhaltensgestört, haltet mich für absolut berkloppt, aber heute habe ich mich das erste Mal in meinem Leben auf eine Klausur gefreut, ja, Ihr lest richtig, gefreut!
Vorhin schrieb ich die Vorabiturklausur im Bio Grundkurs, Thema: Neurophysiologie und Eviolution und ich bin guter Dinge, dass ich meinen Schnitt der letzten 2 1/2 Jahre von 13-15 Punkten halten konnte. 🙂
Aber da fangen schon wieder die Gedanken an…

Ist es gut, so gut vorbenotet zu werden?
Ist dann nicht das Risiko größer, in die mündliche Nachprüfung zu kommen, im April?
Habe ich wirklich alles erfüllt, was es zu erfüllen gab?

Nun ja, ich werde es sehen.
Fakt ist, dass mein ldehrer am Mittwoch erst mal einen Einlauf von mir bekommt. Wenn man eine Klausur erstellt, dann sollte man zumindest daran denken, dass man alle Materialen mitliefert. Wenn im Text steht „…siehe Material F“ und die Materialien gehen nur bis D, dann macht man sich schon Gedanken darüber, ob das alles seine Richtigkeit hat. Und von „Beispiel a und b“ zu reden, wenn es sich in Wahrheit um 1 und 2 handelt, ist zwar nur ein formaler Fehler, aber in so einer Klausur haben einfach keine Fehler zu sein! Mal abgesehen von fehlenden Worten im Text. Da bleibt es mir wirklich nur noch, mit den Augen zu rollen.

Aber dieser Lehrer ist sowieso vorsintflutlich. Ein netter Mann, keine Frage, aber die Klausuren per Hand zu schreiben bzw. die Materialien und Aufgaben wild zusammenzukopieren – da kann es doch nicht ausbleiben, dass man seine Aufgaben nicht versteht!

Jedenfalls reicht es mir jetzt erst mal mit Dingen wie diesen

(Bilder sind von Google geklaut, wenn Euch das nicht passt, bitte Verbesserungsvorschläge an mich ;))

Wenig Zeit für Muße.

Aktuell arbeite ich an meinem Abitur und entgegen jedes Laumalocher-Klischees kann ich guten Gewissens sagen: Ja, ich arbeite hart.
Es war ein großer Schritt bis hierher, ich habe es in der Schule viele Jahre schwer gehabt und ich habe auch mehr Zeit verloren, als man guten Gewissens verlieren kann, aber ich bin kurz vor dem Ziel.
Doch dieses Ziel, ich habe schwer daran zu beißen.
Es ist ja nicht allein mit dem Abitur getan – es zählt doch das Danach! Ich mache mir seit Monaten viele Gedanken über etwaige Studienmöglichkeiten und prinzipiell steht meine Entscheidung fest, doch allein die aktuellen Streiks deutscher Studierender um das Bachelor-/Master-System und der Bildungspolitik im Allgemeinen lassen mich stark daran zweifeln, ob meine Wahl die richtige sein wird.
Viele sagen mir zwar – und Statistiken bestätigen es regelmäßig -, dass es genügend Studenten gibt, die mit der Wahl ihres Studienfaches unzufrieden sind und es deswegen nach den ersten Semestern wechseln. Aber dies bedeutet wieder Zeitverlust, und den kann und will ich mir vor dem Eintritt ins Berufsleben nicht mehr erlauben!

Ich bin 20 Jahre alt. Nach vollendetem Bachelor-/Master-Studium und Referendariat werde ich mit schätzungsweise 28 Jahren fertige Lehrerin sein; wenn ich gut durch das Studium durchkomme.
Im Weg stehen mir Slogans wie „Nur Chuck Norris schafft diesen Bachelor“ und das nachzuholende Latinum.

Was eigentlich noch schlimmer ist als das generell schon schwammige Bildungssystem, ist die NC-Logik, die viele Hochschulen an den Tag legen.
Bspw. hörte ich von dem Gerücht, an der TU Dortmund könne man aktuell Psychologie mit einem NC von 2,8 oder 3,1 mit zwei Wartesemestern studieren. Tatsächlich soll der NC aber zum nächsten Semester hin drastisch angezogen werden, sodass er wieder bei 1,x liege. – Sinn?

Und für mich gibt es ein nicht enden wollendes Dilemma zwischen Studienwahl und Abiturprüfungen, zwischen unterrichtsfreier Zeit und Arbeit am laufenden Band.

Sagte ich eben unterrichtsfreie Zeit?
Was zur Hölle soll das sein, dieses schöne Paradies vor dem Abi mit den vielen Partys und den Lerngruppen, die sich unter der Hand nur für die gemeinsame Wochenendplanung interessieren?
Laut offizieller Informationen über das Zentralabitur 2010 gibt es eine zweiwöchige unterrichtsfreie Zeit: die Osterferien.
Ich werde also genau zwei Wochen Zeit haben, um mich intensiv und täglich auf meine Prüfungen vorzubereiten; genau zwei Wochen, in denen ich nicht mit täglichen Hausaufgaben konfrontiert werde, die ich ja zusätzlich zum normalen Lernpensum auch zu erledigen habe.

Und wer jetzt sagen möchte „Mein Kind, das Leben ist kein Ponyhof“, dem kann ich nur erwidern: Ich habe nie daran gezweifelt, dass das Abitur viel Arbeit bedeutet und ja, ich weiß, dass es im Studium noch härter werden wird.

Das einzige, was ich an dieser Stelle fordere ist ein bisschen mehr Zeit für mich selbst, bevor ich zur gefühlskalten, neurotischen Lernmaschine werde.

Nur ein bisschen Muße, nur ein bisschen Ich. In einem halben Jahr. Für vier Monate.

Verfluchtes Video-Blog vorhaben

Wenn Du jemals vorhast, ein Video-Tagebuch zu führen, dann drück die Kamera niemals einer blonden Polin in die Hand – die findet den Knopf nicht!

Eigentlich hatte ich die Erlebnisse von Dienstag und Mittwoch in einem Video zusammengefasst, was leider nicht auf der Kamera zu finden ist, da meine gute Kamerafrau anscheinend nicht den Knopf zum Aufnehmen gedrückt hat und ich meinerseits vergessen habe zu überprüfen, ob das Video sachgerecht auf der Kamera zu finden ist.
Nun denn, also bleibt mir nichts anderes übrig, als die ganze Geschichte im Schnelldurchlauf wiederzugeben.

Dienstag war ich nach unserer gemeinsamen Stadtrundfahrt in der National Gallery, am Piccadilly Circus und in diversen Souveniershops mit identischem Kitsch, im Hard Rock Café und essen in Chinatown.
Meine bevorzugten Tube-Linien waren die Jubilee und Piccadilly Line, weshalb ich gezwungen war, gefühlte 100 Male an der Station Green Park umzusteigen.
Wir suchten uns in Chinatown das billigste chinesische Restaurant; das Essen war lecker, fettig und man konnte sich eine Portion prima zu zweit teilen, weswegen jeder für die gebratenen Nudeln mit Fleisch nur £2,50 zahlen musste.
In der Nacht schlief ich beim Fernsehen (Kanal: E4, „Friends“) ein.

Mittwoch machten unsere zwei Kurse zusammen schon am Vormittag eine erneute Sightseeing Tour, die man sich auch hätte sparen können, weil wir nicht mehr gesehen haben, als am Tag zuvor im Bus. Der Vorteil daran war jedoch, dass ich Fotos machen konnte, die mehr als die Sockel der Monumente und die Eingänge der Kathedralen zeigten, da mir kein Busfenster im Weg war.
Später besuchte ich Covent Garden, hätte fast geweint, weil ich von der Schönheit und Vielfalt der ganzen Geschäfte und Kitsch-Lädchen dort überwältigt war, fuhr danach zur Victoria Station, weil Kati zwingend dort eine Falafel kaufen musste, besuchte noch einmal das Hard Rock Café, um dort ein Foto mit dem Axt-Bass von Gene Simmons machen zu können, setzte meine Reise nach Camden Town fort und stellte fest, dass alle Geschäfte gerade schlossen.
Nebenher goss es in Strömen.

Erst am Donnerstag konnte ich also nach über vier Jahren erneut feststellen, was Camden doch für ein wundervolles Fleckchen Erde ist.
Es ist nicht schön dort! Es ist hässlich, voll, voll von Menschen, vorwiegend Türken/Arabern und Chinesen, voll von billigen Souveniershops mit dem selben Interieur. Aber es ist auch voll von großen Märkten mit interessanter Kleidung, voll von hübschen Männern mit Dreads und niedlichen Mädchen mit zu kurzen Röcken und zu hohen Schuhen.
Dort schlägt das Herz der Stadt, der Jugend, am Puls der Zeit und fernab jedweder Konvention. Es ist so also nicht weiter verwunderlich, dass ich geneigt war, mir ein „I ❤ Camden“ Shirt zu kaufen. Ich kaufte mir stattdessen aber lieber eine „Vespa“ Tasche.
A. und ich kauften uns alsbald Fish and Chips ohne Fish, weil dieser definitiv zu teuer war. Wir setzten uns auf eine Treppe und kamen kaum zum Essen, weil plötzlich drei Jugendliche vor uns standen und uns anbettelten, dass sie uns gratis die Haare waschen und föhnen dürften. Wir stimmten nach einigem Überreden trotz unseres Zeitmangels zu und dies war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Frisörsalon nicht nur betrat, um jemanden zu begleiten, sondern selbst auf den Stuhl kam.
Natürlich wurden uns die Haare von den Jungs und Mädels, die um einen Ausbildungsplatz kämpften nicht geschnitten, dazu waren wir zum Glück (!) einen Tag zu früh dran.
Sehr verblüffend war die Tatsache, dass ich in eben diesem Salon mitten in Camden einen Schüler meiner alten Schule in Dortmund traf. Wie klein doch die Welt ist…
Nach gefühlten fünf Stunden wafren wir dann fertig frisiert und ich kann nur sagen: meine Haare waren niemals zuvor so glatt und seidig weich! =)

Anstatt wie geplant in den London Dungeon zu gehen, machten wir uns auf den Weg in unser Hotel und kauften noch etwas für die Rückfahrt nach Deutschland bei Texco ein. Natürlich habe ich promt vergessen, die Margarine mit dem wohlklingenden Namen „I can’t believe it’s not butter!“ zu kaufen.

Um 19:00 Uhr trafen sich alle gemeinsam wieder am Globe Theater, wo wir schon am Morgen eine Führung hindurch gemacht hatten, da wir in einen Pub an der Themse gehen wollten, denn der gute Herr S. jedoch zuerst nicht wiederfand.
Nach einigen Kilometern Fußmarsch kannten wir später jeden Gullideckel im gesamten Gebiet zwischen der London Bridge und der Tower Bridge und fanden den Pub, wo ich mir erst einmal ein leckeres Strongbow gönnte und einen herrlichen Blick auf letztere Brücke genoss. Und dann sahen wir etwas, was man so selten sieht: Die Brücke wurde hochgezogen, weil ein zu großes Schiff passierte! =)
Es war ein sehr bewegender Augenblick, da sicherlich auch nicht viele Touristen selbiges erleben können.

Nach unserem kurzen Pub-Besuch fuhren wir wieder zum Piccadilly und suchten bis ins tiefste Soho hinein die zwei Karaokebars, die ich herausgesucht hatte, um den Abend lustig abklingen zu lassen. Leider war diese Suche vergeblich – stattdessen entdeckten wir eine (Schwulen-?) Bar, in der ein unattraktiver Kerl mit hässlichen Unterbuchsen an einer Stange tanzte, alsbald die Hände einer Frau nahm und sie sich an seinem Oberkörper bis beinahe in den Schritt entlangführte, woraufhin der Türsteher auf ihn zutrat und ihm den Zeigefinger zeigte.
Da wir keine Karaokebar fanden, fuhren wir zum Hotel zurück, aßen Süßigkeiten und tranken Bier in der Lobby und warteten darauf, dass es 00:00 Uhr wurde, um K.s Geburtstag zu feiern – eigentlich aufgrund der Zeitverschiebung eine Stunde zu früh, aber Mitternacht ist Mitternacht 😉
Auch an diesem Abend fiel ich wieder totmüde ins Bett, während L. ihren Koffer packte.

Und Freitag kam der Tag der Abreise, ausgeschmückt mit ein bisschen Traurigkeit, Vorfreude auf Zuhause, einem Unfall und einer zu langen Wartezeit.

Erst einmal wurden L. und ich in unserem Zimmer vergessen, während wir auf die Zimmerkontrolle warteten. Nach einer halben Stunde wunderten wir uns, wieso noch niemand in unser Zimmer gekommen war; L. ging in die Lobby, um nachzusehen, was los war und musste feststellen, dass sowohl alles Gepäck als auch alle unsere Mitschüler schon im Bus waren. Wir wären also beinahe in London vergessen worden.
Als wir dann auch im Bus saßen, machten wir uns auf den Weg nach Dover und kamen dort auch so früh an, als dass wir eine Fähre früher als geplant hätten nehmen können und somit auch früher zuhause gewesen wären. Der Bus fuhr in Richtung Terminal und der Fahrer wollte sich gerade in die richtige Spur einordnen, als ein LKW viel zu schnell neben uns auf der Spur auftauchte, mitten in einer Kurve, die wir ihm also beinahe geschnitten hätten, wenn der Busfahrer nicht im letzten Moment gebremst hätte und auch der LKW nicht noch kurz vor knapp zum stehen gekommen wäre. Puh, dachten wir, das war ja noch einmal knapp! Und kaum war dieser Gedanke zuende gedacht – unser Fahrer versuchte gerade, den Bus stärker einzulenken – als der LKW plötzlich Gas gab und ich nur hörte, wie es knallte, der Bus stark nach rechts schwankte, mein Kopf gegen die Scheibe stieß und einige Insassen aufschrien.
Der LKW hatte dem Bus mit dem hinteren Anhänger den Außenspiegel und die Seitenverkleidung der Fahrerseite abgerissen und das Seitenfenster zertrümmert, sowie die Frontscheibe zum Springen gebracht; unser armer Busfahrer saß in einem Haufen aus Scherben.
Wir hatten jedoch Glück im Unglück, denn niemand war verletzt.
Die Polizei tauchte sofort auf und drei meiner Mitschülerinnen mussten als Dolmetscher herhalten, da der Fahrer des LKWs nur polnisch sprach (er arbeitete seit zwei Monaten in seinem Unternehmen und es war sein zweiter Unfall in dieser Zeit).
Zu unserem Ärger hieß es dann jedoch, dass sich unser Bus keinen Milimeter mehr fortbewegen dürfe, der LKW aber unbeschadet weiterfahren konnte. Nach einer Stunde des hin und hers wurde uns jedoch ein Shuttlebus bis zur Fähre zur Verfügung gestellt, sodass wir unser Gepäck im strömenden Regen in den Mini-Linienbus trugen und mit selbigem zum Terminal fahren konnten.

Auf der Fähre kam alsbald wieder Heiterkeit auf, obwohl wir wussten, dass wir einige Stunden warten müssten, bis unser neuer Bus aus Deutschland in Calais ankommen würde. Wir saßen auf bequemen Sesseln und Sofas und als jemand an der Jukebox „Wonderwall“ von Oasis auflegte, sangen wir alle laut mit – der Schrecken war für einige Minuten vergessen.

In Calais angekommen regnete es noch immer in Strömen. Es war mittlerweile 16:30 Uhr und wir hofften, dass unser Bus gegen 19:00 Uhr ankommen würde.
Im Terminal setzten wir uns ins Restaurant und verbrachten die nächsten 5 Stunden mit lesen, Billard, langweilen und quatschen, da der Bus wegen des Ferienstaus erst um 21:30 Uhr ankam – um diese Zeit wären wir planmäßig zuhause gewesen.
Wieder einmal hieß es also, Gepäck in den „Kofferraum“ packen, wobei dieser wesentlich kleiner war als der in unserem kaputten Bus, und so mussten drei unserer Koffer in den Bus mitgenommen werden. Mein nächster Schrecken (nach dem, dass ich besser meine Knie abgeschnitten hätte, weil meine Beine kaum hinter den Sitz meines Vordermanns passten) war, dass es in diesem Bus keine Sicherheitsgurte gab; und diesen Schrecken teilten sogar die jenigen, die sich vor dem Unfall nicht angeschnallt hatten.
Die Heimfahrt setzte sich also unangeschnallt und mehr oder minder schlafend fort, wobei wir bei jeder stärkeren Bremsung erschraken und uns durchaus unwohl war.

Kurz vor der Ankunft hielt Herr S. noch eine kleine aber herzerweichende Rede, in der er uns dafür lobte, dass wir trotz der Komplikationen unseren Spaß hatten und dass wir die lange Wartezeit meckerlos ertrugen.
Wir applaudierten und pfiffen im Übrigen laut für unseren Busfahrer, der sichtlich angeschlagen war durch diesen Stress und uns dennoch sicher nach hause brachte.

Gegen 03:30 Uhr endete unsere Fahrt und somit auch diese Geschichte über die tollste Woche meines bisherigen Lebens =)

Studienfahrt nach London, Tag 1 (Montag/gestern)

Zäh zog sich dieser Tag hin wie Kaugummi und ich weiß gar nicht, an welcher Stelle ich zu erzählen beginnen soll, da ich nicht einmal eingrenzen kann, wann der heutige Tag überhaupt begonnen hat.

Unsere Abfahrt in der Heimat war um 23:00 am gestrigen Abend – ich war aufgeregt und hatte Angst, dass ich nicht schlafen könnte.

Nachdem ich etwas später eine Schlaftablette konsumierte, konnte ich zwar auch nicht wesentlich besser schlafen, hatte allerdings während unserer Pausen einen unglaublichen Spaß! In meinem kleinen Vollrausch torkelte ich durch den Bus, über Tankstellen und durch Damentoiletten (also nicht wörtlich „durch“!) und lallte meinen Mitschülern unverständlichen Quark ins Gesicht.

Soweit ich mich erinnern kann, hielten wir einmal in Holland und zweimal in Belgien, bevor wir einen relativ langen Aufenthalt in Calais hatten und alsbald die Fähre befahren konnten.

Dort war es… Nun, langweilig.

Wir waren müde, wir hatten nichts zu tun, wir wollten nach hause, ins Bett, irgendwo hin aber nicht sitzen auf einem Sessel auf einem zu hell beleuchteten, zu lauten, zu vollen Schiff morgens früh um sechs.

Der angenehme Teil der Reise als solche kam dann nach unserer Ankunft in Dover:

Man lehnte sich zurück und schlief bis London beinahe durch. Kurz aber besser als gar nicht.

Wer nun meint, der Rest des Tages war ein wahres Glück hier in Good Old England, der hat noch nie nach einer Nacht beinahe ohne Schlaf eine Stadtralley in Jogginghose und strömenden Regen gemacht!

Ja, wir konnten nicht einmal auf unsere Zimmer, da diese noch nicht hergerichtet waren. Stattdessen stiegen wir sofort in die nächste Tube und fuhren – in meiner Gruppe zuerst in Richtung Green Park, um von dort zum Buckingham Palace zu laufen.

Kaum wollten wir die Tube-Station verlassen, wurde Fred von einem Polizisten angehalten:

Terrorverdacht!

Wir waren zuerst etwas schockiert, als sein Rucksack durchsucht und seine persönlichen Daten aufgenommen wurden; denoch konnten wir die ganze Geschichte mit Humor nehmen, nachdem ich den Polizisten fragte, ob Fred nun kein Terrorist sei und der Polizist grinsend antwortete, er sei es zumindest heute nicht! =)

Nachdem wir die Ralley nicht gewannen, obwohl wir uns vermutlich von allen Gruppen die meiste Mühe gegeben hatten (da wir im Gegensatz zu den anderen an allen Orten waren und nicht ausschließlich Passanten oder Touristen befragten), ruhten wir uns im Hotelzimmer aus, richteten uns häuslich ein und machten uns noch einmal zum Einkaufen auf den Weg zur Canary Wharf Station, die nämlich umgeben ist von einer netten Shopping Mall, in der um 19:00 Uhr schon alle billigen Fressbuden geschlossen hatten.

Mein Fazit für den heutigen Tag:

London ist schön, wild, hässlich, verglast, hektisch, gefährlich, wundervoll und stressig 🙂

Achso, gleich, wenn ich mein Bier ausgetrunken habe, werden wir noch eine Runde Billard in der Hotellobby spielen gehen.

Vier Sterne sind schon etwas Feines 😉

Zitat des Tages!

Das Zitat des Tages brachte heute mein lieber guter Philosophielehrer Herr S.
Es ging um die Wissenschaftstheorie und darum, dass sich mit der Zeit eine gewisse Sprachskepsis entwickelte, die besagte, dass ein Satz, der nicht empirisch zu überprüfen sei (z.B. durch Logik), nicht sinnvoll sei.
Herr S.: „Hubba Bubba dupdidup ist ein Satz, aber er ist Unsinn!“

Danke, lieber Herr S., für diese einmalige Weisheit! 😉