Hasse ma ‘n Euro?! oder: Mottowoche im Abijahrgang Part I

Wir sind Abiturienten. Wir sind volljährig. Wir sind auf dem besten Weg, den höchstmöglichen Bildungsabschluss zu erlangen, den die Bundesrepublik zu bieten hat.

Das muss aber noch lange nicht heißen, dass wir reif und erwachsen sind!



Montag, 07:50 Uhr in der Früh:

Zwei einsame Gestalten passieren das Schulgelände. Löchrige Turnschuhe, Jogginghose in dicke Wollsocken gesteckt  und zerschnittene Jeans, Feinrippunterhemd mit Lederjacke kombiniert und Hippiewolljacke, rosa Kopftuch mit herumgedrehter Kappe und rotes Stirnband mit Sternen. Die eine Gestalt ich, die andere Mareike. Ich mit Lidl-Tüte in der Hand.

Der Unterricht beginnt, die Schüler der unteren Jahrgangsstufen lachen oder schauen verblüfft.
Die Mottowoche hat begonnen. Es ist das, worauf ich mich mein halbes Leben lang gefraut habe; die Zeit, die nie wiederkehren wird, die Schulzeit, gebührend zu verabschieden.
Es ist Montag und weil jeder Schüler Montage hasst, ist heute der „Asitag“.

09:35 Uhr:

Es klingelt zur ersten Pause und somit ist es auch an der Zeit für die anderen Schüler meiner Stufe, ihre ranzigen Kleider und Einkaufstüten in Richtung Schule zu bewegen.
Man trifft sich auf dem kleinen Parkplatz vor der Schule, dreht die Musik im Auto ein wenig lauter (ein eigens zusamengestellter Asimix mit Micky Krause, Guildo Horn, Fettes Brot, Bushido und vielen mehr) und vergnügt sich ob der lustigen Bekleidung.
Haha, pinke Hotpants zu langen Skisocken! Hihi, ein Fischerhut über eine Kappe, dazu verdrecktgrüne Badelatschen und – natürlich – Jogginghosen! Juhuu, ein Schalke-T-Shirt!

Und was ist das?

Wer kommt dort in Lisas Auto angefahren? Man sieht erst nichts, dann ein Schild… „Hasse ma ’n Euro?“
Eine Kappe, lange Haare, schwarze Zähne… Eine Gitarre!

Ja, Houda hat wirklich den Vogel abgeschossen an diesem Tag, mit ihrer Kostümierung! In ihrem blauen Trainingsanzug, wahrscheinlich original aus den 80ern, mit den Gesundheitslatschen und der zerkratzen Akustikgitarre sah sie nicht nur aus wie ein waschechter Herner Penner, nein, sie verhielt sich auch so – welch brilliante Schauspielkunst! 🙂

So zogen wir also los, den Matheunterricht zu stürmen.

Tatsächlich, und wir glaubten es kaum, bekamen wir quasi frei und verbrachten einige Minuten damit, unseren Lehrer zu amüsieren und ich interviewte Houda mit dem Camcorder, während sie „Über sieben Brücken musst Du geh’n“ krähte und dabei schiefe Töne auf der Gitarre „spielte“ (das gute alte Teil ist so verstimmt, dass man sicher niemals mehr einen geraden Ton darauf spielen können wird!). Danach machten wir noch ein (paar) Gruppenfoto(s) und brachen alsbald auf, den Rest der Lehrer- und Schülerschaft mit unserem fröhlichen Gesang Gekreische und Gegröhle zu verzücken.

Wir stürmten den Neubau, den Altbau, die Sporthalle… Wir stürmten sogar doppelt und dreifach und sind mindestens einmal auf Youtube zu finden! Wenn ich euch kleinen Bastarde erwische, dann drehe ich euch den Hals um!

Oh, es sollte erwähnt werden, dass wir natürlich nicht nur oben genanntes Lied sangen – nein! Unser Repertoire bestand zudem noch aus „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Wahnsinn“ von Wolle und „Kumbaya“ (natürlich begleitet von dem immer gleichen Krach den lieblichen Gitarrenriffs aus Houdas Gitarre).
Hätte ich nicht selbst gesungen, so wäre ich sicher schreiend weggelaufen! 🙂
Aber einen solchen Tag gibt es nur einmal im Leben und somit musste er ja episch werden. liebenswürdige Stufenleitung), „Wahnsinn“ von Wolle und „Kumbaya“ und zu all diesen Liedern spielte Houda

Nach unserem Streifzug verbrachten wir noch ein wenig Zeit auf der Straße (wo auch sonst? Eine Brücke gibt es in der näheren Umgebung schließlich nicht!).
Houda konnte sich nicht zusammenreißen und „schnorrte“ an der Ampel wartende Autofahrer an – zu ihrem Leidwesen jedoch auch eine Fahrradfahrerin, ca. Ende 30, die sie daraufhin freundlichst im Vorbeifahren anspuckte und sodann bei rot über die Ampel fuhr.
Houda: „Und uns nennen die Leute Asis!“

11:30 Uhr, zweite Pause:

Wie dekoriert man seine Umwelt, wenn man ein Asi ist? Ganz genau, mit ausgelesener BLÖDzeitung! 🙂
Und zwar direkt vor der Tür der Neubaus, dort, wo auch bloß viele Lehrer vorbeikommen, die einem ja vielleicht für ein Ständchen einen Euro geben – pro Strophe! Es ist ja alles für den guten Zweck (Bier).

Und tatsächlich haben wir am heutigen Tag knappe fünf Euro zusammengeschnorrt. Dazu gesellen sich diverse MB an Bildmaterial, einige Videos und ein Montag, den man nie vergisst! 🙂


Morgen folgt übrigens der Businesstag und ich hoffe, dass dort zwar wahrscheinlich nicht allzu lustige aber dafür doch erinnerungswürdige Bilder entstehen werden!

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