PsyFaKo oder die ganz große Liebe

Die letzten vier Tage verbrachte ich in der verwunschenen kleinen Stadt Stendal auf der PsyFaKo – der bundesweiten Fachschaftentagung der Psychologiestudiengänge, die einmal im Semester stattfindet. Dieses Mal war es meine fünfte Konferenz und im Zuge dieser Tagungen besuchte ich schon die Universitäten/Hochschulen in Osnabrück, Bamberg, Düsseldorf, Jena und nun also den Standort Stendal der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Auf den Tagungen liegt der Fokus auf der Ausarbeitung gemeinsamer hochschulpolitischer und -sozialer Themen, die alle Psychologiestudierende und spätere potentielle PsychotherapeutInnen in Ausbildung (kurz: PiA) in Deutschland betreffen. Man verbringt also ein verlängertes Wochenende damit, mit vielen wunderbaren Menschen, viel Pfeffi und viel gutem Essen zusammenzusitzen und was dabei niemals fehlen darf, ist nicht bloß die Interaktion auch im privaten Bereich, der Pfeffi und die Feierei in trashigster 90er-Atmosphäre, sondern vor allem die Tatsache, dass alle Beteiligten mit ihrem vollen Herzen dabei sind.
Wer auf seiner ersten Konferenz gute Erfahrungen gemacht hat und es sich im weiteren Studienverlauf zeit- und aufwandstechnisch erlauben kann, der wird wieder und wieder die PsyFaKo besuchen und so trifft man mit einer verlässlichen Beständigkeit einige Menschen in jedem Semester. Und irgendwann entsteht diese gewisse Verbundenheit mit einander, obschon man sich zwischen den Konferenzen zumeist nicht sieht und vielleicht nicht einmal anderweitigen Kontakt oder gar eine wirkliche Freundschaft pflegt. Doch wenn man sich wiedertrifft, dann weiß man sicher, dass dieses feste Band der Gemeinschaft und in gewisser Weise auch Gleichheit zwischen den Menschen besteht. Dann kann man sich ehrlichen Herzens auf einander freuen und wie in meinem Fall auch ehrlichen Herzens traurig wieder auseinander gehen.
Denn irgendwann gelangt jeder einmal an das Ende seines Studiums und somit auch im Normalfall an das Ende seines PsyFaKo-Engagements.

Und so stehe ich jetzt ehrlichen Herzens traurig an dem Punkt, an dem ich der Tatsache ins Auge sehen muss, dass ich einige Menschen, die ich in den letzten zwei Jahren in mein Herz geschlossen habe, möglicherweise kein weiteres Mal auf einer Konferenz sehen werde. Natürlich kommen immer neue Gesichter hinzu, die wiederkehren und die man ebenso lieb gewinnen wird. Natürlich besteht immer die Möglichkeit, den Kontakt über Entfernung und Dauer aufrecht zu erhalten. Doch dieses einmalige Konferenzgefühl wird sich nicht mit diesen Personen fortsetzen und das fällt mir schwer zu begreifen.

Darum habe ich an diesem Wochenende nicht daran gespart, diesen Kommilitonen aus verschiedensten Regionen zu sagen, dass ich sie wirklich gern habe und eine wahrhaftige Form von Liebe für diese Konferenz und ihre Teilnehmer empfinde. Und dies kann ich nicht stark genug betonen.

Wer sich dafür interessiert, wie diese Konferenz gestaltet ist, der darf sich dieses schicke Video ansehen – nur echt mit den Bärbelbären, unseren Kieler Fachschafsmaskottchen, am Ende des Films (;

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Sommerübersicht

Ende August. Heute vor einem Monat habe ich meine letzte Klausur geschrieben. Ich wollte mir eigentlich nur eine freie Woche gönnen, bevor ich mit dem Lernen fortfahre, um für die Nachklausuren bestens vorbereitet zu sein; doch ich habe noch keinen Handschla getätigt. Ich finde allerdings auch nicht, dass mein schlechtes Gewissen die Freude über die anderen Dinge, die ich bisher getan habe, in den Schatten stellen sollte. Denn was ich in den letzten Wochen tat, war bitter nötig.
Ich war nämlich durchaus so etwas wie kreativ. Ich habe fotografiert, habe eine Foto-Fanpage auf Facebook erstellt (Likes sind sehr gern gesehen), habe einen Teddy für den Sohn meines besten Freundes/mein zukünftiges Patenkind gehäkelt, habe Journalpapier entworfen, Briefe geschrieben, weiterhin ein gar fürchterliches Accessoire gehäkelt (einen Rundschal mit integrierter Kapuze, womit ich aussehe wie ein russisches Kleinkind; noch dazu in Kotzefarben), mir viele Gedanken über meine zukünftige Reise nach Prag gemacht und häkele nun schon mal vorsorglich Handschuhe, ehe ich im Winter nicht dazu komme. Außerdem habe ich natürlich gebadet. Schließlich lebe ich am Meer, woll?

Prinzipiell gibt es da auch noch eine Übersetzungstätigkeit, die ich bis Freitag erledigt haben sollte (nichts Gezwungenes, was es nicht besser macht), für die ich mich also abgesehen vom Lernen noch motivieren muss. Aber dieser Sommer muss doch für das eigene Wohlsein genutzt werden, nichtwahr?

Ich schiebe also noch alles ein bisschen weiter auf, bastle fröhlich vor mich hin und freue mich auf die Zukunft, wobei ich die Klausuren natürlich vollends ausblende 😉

BAFFFFFFUUUUUUG

Wir Studenten sind schon arme Schlucker. Wir reißen uns den Arsch für unsere Ausbildung auf, für die wir möglicherweise noch mehr Geld latzen müssen, als wir zum Leben verbrauchen, und zum Dank dürfen wir uns mit einer Bürokratie herumschlagen, die auf dieser Welt vielleicht ohnegleichen ist. Zumindest aber ist sie für’n Arsch.
Wenn wir Glück haben, bekommen wir BAFöG, wenn wir Pech haben, sind wir arm, unsere Eltern sind arm, wir bekommen trotzdem kein Geld und als Strafe dafür, dass wir nicht mit 15 die Schule verlassen haben, um Bäcker oder Frisöse zu werden, müssen wir ohne Rabatte leben, ohne Befreiung von GEZ-Gebühren, ohne Preisnachlass beim Mieterbund, ohne alles und vor allem: ohne Geld. Aber das erwähnte ich ja bereits.

Wenn man nun zu den coolen Kids gehört und BAFöG in Anspruch nimmt, dann ist es ja noch öange nicht vorbei mit der Schikane. Nicht nur, dass man sich einmal im Jahr durch den Wust an Formblättern und Steuerbescheiden kämpfen muss, dann man immerzu seinem Erzeuger in den Arsch treten muss, damit er einem zeitnah seine Unterlagen zuschickt. Nein. Da werden auch einfach Leistungsnachweise verbummelt und man bekommt einen netten Brief von der Sachbearbeiterin Frau P., in dem genau jener Nachweis gefordert wird, den ich mir von meinem Studienleiter habe ausstellen lassen und der fein versehen mit meiner Förderungsnummer dem Rest meines Antrags beilag. Ich schwör.
Und als wäre das alles nicht schon genug Schinderei, schlimmer noch als beim Finanzamt, Sozialamt oder sonstwo in diesem bürokratiebehinderten Land, stellt Frau P. absichtlich und um mich zu ärgern ihr Telefon auf lautlos, damit ich sie bloß nicht erreiche, um sie durch den Hörer zu ziehen. Nun gut, vielleicht hat sie auch Angst, vielleicht ist aber auch das Telefon im Büro kaputt, man weiß es nicht. Ich finde es jedenfalls eine Frechheit, dass man in der Regel vier Tage braucht, um seine Sachbearbeiterin zu erreichen, nur damit man sich von dieser patzig anmaulen lassen muss. Und es ist ebenso eine Frechheit, dass diese Personen sich auch noch Beamte nennen dürfen.
Beamte. Pah.
Behinderte empathiefreie Arschgeigen mit totaler Erzürnungsgarantie. Echt jetzt.

Ja, wir sind bemitleidenswerte arme Schlucker und es gibt keinen Grund, über uns die Nase zu rümpfen.

Und plötzlich…

… ja plötzlich steht da dieses neue Semester vor mir, nein, in mir, nein, ich stehe in ihm, und es verschlingt mich noch und nöcher, am ganzen Leib, mit Haut und Haar und es gibt einfach nichts, was ich dagegen tun könnte.
Und ich sagte noch, ich würde es bereuen, nicht eher etwas getan zu haben. Doch was ich getan hätte, hätte ich bis heute sowieso wieder vergessen.
Und so wird es doch über kurz oder lang das letzte sein, was ihr von mir lesen werdet. Wenn ich konsequent bin. Und hier irgendwann wieder lebend herauskomme.

Bis dahin etwas Lustiges, Stumpfes, Sinnbefreites.

Das Stress-Kreativitäts-Dilemma

Die Semesterferien sind zuende. Drei Monate lang hatte ich Zeit, um all die tollen Dinge zu tun, für die ich während des Semesters keine Zeit hatte. Malen, fotografieren, lesen, schreiben, Gitarre spielen. Und was habe ich gemacht? Nüscht hab ich gemacht!
Ich gammelte und verkam, ich verbrachte Stund und Stund mit lustigen Bildchen im Internet, ohne die Motivation aufbringen zu können, etwas Schönes zu tun. Etwas, das mich fordert und glücklich macht wie es mich nun einmal glücklich macht, wenn ich etwas Kreatives zu tun habe. Ich schaute How I met your Mother und The Big Bang Theory. Ich tat nichts für mich.

Mein Problem an der ganzen Kreativität, Muße und Motivation ist – und zwar seit jeher -, dass ich aufgeschmissen bin, sobald ich kein Ziel und keinen geregelten Tagesablauf habe. Sobald es etwas zu tun gibt und ich gefordert bin, blüht meine Kreativität nur so auf und ich kann tausend tolle Dinge verrichten. Leider wirkt sich dies natürlich nie auf die wichtigen Dinge aus.
Ich sollte Referate vorbereiten, aber ich scanne lieber Fotos mit meinem neuen Superscanner ein oder setze mich an die Nähmaschine. Und so verbringe ich Tag für Tag damit, Prioritäten zu finden und eins nach dem Anderen hintenan zu stellen, bis irgendwann der wahre Zeitdruck aufkommt und ich mir denke „Verflucht, hättest du mal früher angefangen!“.
Wenn man sich die schönen Dinge jedoch für seine Freizeit aufspart und wartet, bis die wichtigen Arbeiten verrichtet sind, dann hat man entweder wieder das Problem, dass die Kreativitätskurve abfällt und man am gleichen Punkt steht wie in den Semesterferien, oder aber dass es wieder andere furchtbar wichtige Aufgaben zu bewältigen gibt, sodass man seine Freizeitgestaltung erneut zurückstellen muss.

So schiebe ich dieses ganze Dilemma meinem Charakter in die Schuhe und muss versuchen, zwischen all den wichtigen Erledigungen immer mal ein bisschen kreativ zu sein. Eine Naht am Tag, ein Foto in der Nacht.

Und nun werde ich mich um den Haushalt kümmern und danach ganz fleißig an meinen Referaten basteln.
Ja nee, ist klar.

Das Erstsemester-Syndrom

„Lara, wenn du einem die Welt erklärst, dann scheint alles so schön einfach.“, sagte einst Dennis zu mir. Doch es geschieht manchmal, dass auch ich jemanden brauche, der mir die Welt so erklärt, dass alles für einen Moment ganz leicht erscheint, wie Zuckerwatte, oder Wolken. Sodass man sich keinerlei Sorgen mehr machen muss, zumindest eine kurze Zeit lang.

So kam es dazu, dass ich meinen Kommilitonen C. um eine kurze Unterhaltung bat. Ich musste mich auskotzen, ausheulen, und zwar bei jemandem, der im gleichen Boot sitzt wie ich, der 1:1 nachempfinden kann, wie es mir momentan geht.
Ich redete also von Referaten, Treffen, die ich vergessen hätte, Materialien, die ich vergessen habe, dem nichtdruckenden Drucker, dem nichtfahrenden Auto und der Angst davor, meine Wohnung aufgeben zu müssen. Den größten Kummer bereitet mir allerdings der Druck, den ich mir selbst dadurch mache, dass ich mich allzu sehr mit meinen Kommilitonen vergleiche, die mir so leichtfüßig und klug erscheinen, mit ihren Top-NCs und ihren Elitegymnasien. Es ist nicht schön, zu wissen, dass man selbst das Abitur sehr gut abgeschlossen hat und dennoch eine der Schlechten in der eigenen Kohorte ist.

Und dann verriet mir C. etwas, woran ich so noch nicht dachte…
Ich sei nicht die Einzige, die sich über genau diese Dinge den Kopf zerbrach.
Nun, es ist trivial und Ihr könnt lachen und sagen, dass man mit seinen Ängsten und Befürchtungen in einer Gruppe niemals allein ist, aber wenn man den Tag mit seinen immerlächelnden immerfröhlichen Kommilitonen verbringt, merkt man ihnen nicht an, welche Menschen sie sind, wenn sie die Wohnungstür hinter sich schließen und ihre Schuhe ausziehen.
Er nannte es das Erstsemester-Syndrom.
Das klang so, als würde es bald vorbeigehen, in wenigen Monaten, wenn ich das erste Semester überstanden habe.
Und plötzlich schien die Welt so leicht wie Zuckerwatte.

Auf ein Neues!

Ziemlich viel hat sich in den letzten Wochen und selbst in den letzten Tagen verändert und es soll nicht länger unausgesprochen bleiben.

Das Studium hat begonnen, das lang und heiß ersehnte Traumstudium der Psychologie, der düstersten und interessantesten Abgründe des menschlichen Geistes.
Und dieser Begebenheit will ich nun auch eine eigene Kategorie widmen, um mich in Zukunft über all die abstrusen Geschehnisse jener in Wort und Schrift auszulassen.
Es gab die Schule, nun gibt es das Studium – voilà.

Geschrieben wird dies nun und zukünftig immer auf diesem wundervollen ThinkPad (ich muss einfach auch an dieser Stelle darüber referieren, was es mir leider nicht nur für immense Vorteile bietet!), vorzugsweise, so wie jetzt, in meinem warmen weichen Bett, einen Swing-Sender im Internetradio hörend, denn es ist Herbst und in Kiel regnet es ja immer und… Genug für heute.

Und vielleicht werde ich tatsächlich die Zeit finden, um öfter von all meinen künftigen Erlebnissen zu berichten, denn ich habe mir als Ziel gesetzt, gleich mit dem Lernen zu beginnen, um nicht alles bis zu den Prüfungen aufzuschieben. Auch wenn meine Kommilitonen anscheinend ausnahmslos auf ein Partystudium ausgerichtet sind und ich tatsächlich heute, an einem gewöhnlichen Montag, ohne irgend einen ersichtlichen Grund, eine kleine Zusammenkunft in meinen vier Wänden arrangiert habe… Wie Mami schon sagte: „Du wirst zwar wieder wochenlang nichts essen, weil du nur das Lernen im Kopf hast, aber bestehen wirst du.“
Mamis Worte in wessen Ohr auch immer!