Flossenwärmer

Kennt ihr das auch? Es ist Winter, euch ist kalt, da eure alten Wintersachen vielleicht zerschlissen und nicht mehr schön sind, und ihr wünscht euch, ihr hättet doch schon vorher daran gedacht, euch etwas Neues zuzlegen?
So geht es mir in jedem Jahr, wenn die Zeit anbricht, in der ich meine Pennerhandschuhe wieder raushole. Aus billigsten Material gefertigt, schon etliche Male geflickt und keinesfalls mehr wärmend.

Darum habe ich nun einfach mal  beschlossen, aus den Sockenwolleresten, die meine Mutter mir vermacht hat, ein paar schöne Handschuhe zu fertigen. Zu häkeln, um genauer zu sein. Das Stricken liegt mir dann doch nicht so sehr, als dass ich Lust gehabt hätte, die einzelnen Fingerteile mit einem Nadelspiel aus 5 Nadeln zu stricken.
Wir wollen die Handschuhe auch an dieser Stelle nicht Pennerhandschuhe nennen, sondern lieber Marktfrauenhandschuhe. Das scheint mir der offizielle Begriff zu sein für Handschuhe, deren Fingerkuppen frei sind und einen Überzieher haben, der am Handrücken mit einem Knopf befestigt wird, wenn man ihn nicht trägt.
Für gewöhnlich wird der Daumen dieser Art von Handschuhen auch nicht offen gelassen. Da sich dies jedoch hervorragend anbietet, um Zigaretten zu drehen und zu rauchen, habe ich jedoch darauf verzichtet, die Daumenkuppe zu bedecken. Muss er eben frieren, so schlimm wird es schon nicht sein!

Ich habe die Handschuhe frei Schnauze gehäkelt, jedoch habe ich mir alle einzelnen Schritte notiert, damit ich den zweiten Handschuh genau so fertigen konnte wie den ersten. Ich benutzte Sockenwolle in Stärke 2,5 – 3 und eine Nadel der Stärke 3. Hier ist also meine Anleitung, für den Fall, dass es jemand nachmachen möchte:

1) Anfertigen der Fingerteile
– Häkel eine Luftmaschenkette in der Länge des jeweiligen Fingerumfangs und schließe diese zu einem Ring.
– Häkel drei LM (Wende-LM) und wende die Arbeit.
– Häkel anschließend ein Stäbchen in jede Luftmasche der Vorreihe und schließe die Runde mit einer Kettmasche
– Häkel auf diese Weise 4 Runden und schließe die Runde ab.
– Schneide den Faden ab und knote ihn fest.

Ich habe relativ große Hände/Finger, sodass bei mir folgende Daten herauskamen:
– Kleine Finger: 13 Maschen, 4 Runden
– Ringfinger, Mittelfinger, Zeigefinger: 18 Maschen, 4 Runden
– Daumen: 20 Maschen, 3 Runden

2) Zusammenhäkeln der Fingerteile
– Häkel in die Hälfte der Maschen des kleinen Fingers Stäbchen (in meinem Fall 7).
– 1 LM
– Häkel in die Hälfte der Maschen des Ringfingers Stäbchen.
– 1 LM
– Führe dies so fort bis zum Zeigefinger; dieser wird jedoch komplett mit Stäbchen umhäkelt.
– 1 LM
– Häkel weiterhin Stäbchen in die restlichen Maschen der Fingerteile und jeweils 1 LM zwischen die Finger.
– Schließe die Runde mit einer Kettmasche = 1. Runde
– Häkel die zweite Runde normal, das heißt, ein Stäbchen in jede Masche.

3) Abnahmen
– Häkel an der Handrückenseite jedes 2.+3. Stäbchen zusammen.
– Häkel an der Handflächenseite immer 2 Stäbchen zusammen, sodass sich hier die Maschenanzahl halbiert (sollte sich herausstellen, dass deine Hand etwas breiter ist und es nicht passt, häkel auch an dieser Seite nur jedes 2.+3. Stäbchen zusammen. Also, immer anprobieren und nötigenfalls aufribbeln). = 3. Runde
– Häkel in der 4. Runde an der Handflächenseite jedes 2.+3. Stäbchen zusammen; die Handrückenseite wird normal gehäkelt.
– Häkel 2 Runden ganz normal. = 6. Runde

4) Daumen anfügen
– Häkel über die Hälfte der Runde normal, bis zur Daumenkante des Zeigefingers (also der Außenkante, an der auf der Hand der Übergang von Zeigefinger zu Daumen ist).
– Häkel 3 LM und füge dann das Daumenteil an wie die vorigen Fingerteile auch.
– Häkel auf der gegenüberliegenden Seite der 3 LM Stäbchen in jene ein und beende die Runde normal. = 7. Runde
– Häkel in der nächsten Runde bis eine Masche vor dem Daumenanfang und häkel die nächsten 5 Stäbchen zusammen.
– Umrunde den Daumen, wobei die letzten vier Stäbchen des Daumens mit dem darauf folgenden zusammengehäkelt werden.
– Beende die Runde normal. = 8. Runde
– In den nächsten vier Runden wird gleichermaßen vorgegangen, nur dass auf jeder Seite des Daumens nur 3 Stäbchen zusammengehäkelt werden. = 12. Runde

Nun wird der Handschuh ganz normal in Runden weitergehäkelt, bis die gewünschte Länge des Schaftes erreicht ist. Die Arbeit wird abgeschlossen und alle überstehenden Fäden werden vernäht, sowie die Löcher zwischen den Fingern geschlossen.

5) Der Überzieher
– Auf der Handrückenseite werden in der 3. Runde (also in der ersten mit reduzierter Stäbchenzahl) feste Maschen in jedes Stäbchen gehäkelt. Man beginnt z.B. an der Kante des kleinen Fingers und häkelt die Maschen bis zur Kante zwischen Zeigefinger und Daumen.
– Es wird anschließend eine Luftmaschenkette gehäkelt, die an der Handflächenseite um die Hand herumgelegt wird. Ich benutzte hierbei ein paar mehr als bei den festen Maschen (FM = 25, LM = 29), damit der Überzieher nicht zu straff sitzt.
– Die Runde wird wie gewohnt geschlossen.
– Häkel 10 Runden Stäbchen in jede Masche.
– In den nächsten 4 Runden werden alle 2.+3. Stäbchen zusammengehäkelt.
– Nach Beendigung der 4. Runde mit Abnahmen (insg 14. Runde) wird der Faden etwa 15cm lang abgeschnitten. Mit ihm werden die restlichen Maschen zusammengezogen und er wird auf der Innenseite vernäht, jedoch nicht abgeschnitten.

Man hat nun den Überzieher schon um die einzelnen Finger herumgehäkelt. Klappt man ihn nun auf den Handrücken, stellt man fest, dass der Fadenrest auf der Außenseite ist. Aus diesem häkelt man nun eine Luftmaschenkette, die das Knopfloch für den Knopf, zum Festmachen des Überziehers, darstellt. Achtung, Knopfgröße muss natürlich vorher bekannt sein!
Der Knopf wird nun am Schaft des Handschuhs so befestigt, dass der Überzieher nicht zu locker aber auch nicht zu strff daran befestigt werden kann.

Voilà, der erste Handschuh ist fertig! 🙂

Das sieht jetzt vielleicht alles etwas kompliziert aus, aber eigentlich ist es voll easy. Wichtig ist, dass man immer aufpasst, ob man sich gerade auf der Handrücken- oder Handflächenseite befindet, denn das macht aus, ob der Daumen am Ende auch gut sitzt. Wie man vielleicht schon durch die Anleitung erahnen kann, sitzt dieser nämlich nicht einfach an der Handkante, sondern wird leicht auf die Handflächenseite gezogen.

Und so sehen die fertigen Exemplare bei mir aus:

Ich hoffe, dass ich hiermit jemandem zum Nachmachen begeistern konnte und wenn ja, dann stehe ich natürlich auch gern zur virtuellen Hilfestellung bereit 🙂

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Christmas is all around

Wisst ihr was?
Ich liebe Weihnachten!

Für gewöhnlich fange ich so im Januar an, mich auf den Weihnachtsmarkt zu freuen. Beinahe das ganze Jahr lang denke ich ständig darüber nach, wie schön es doch wäre, mal wieder einen Punsch zu trinken und dass ich mich ja nie entscheiden kann, ob ich Kakao lieber mit Rum oder Amaretto mag. Ich sehne mich nach gebrannten Mandeln, Zuckerwatte und gebackenem Käse mit Hollandaise und summe hier und da ein Weihnachtslied vor mich hin.
Kaum dass mein Geburtstag vergangen ist, überlege ich mir, was ich mir zu Weihnachten wüsnchen kann und gleichzeitig, was ich meinen Liebsten schenken möchte, wenn ihre Geburtstage herum sind.

Die Wahrheit ist jedoch – und es ist in jedem Jahr das gleiche – dass ich den Weihnachtsmarkt, wenn es dann an der Zeit ist, ziemlich doof finde. Alles ist zu voll, zu teuer, zu hässlich, zu wenig lecker. Ob ich Kakao mit Amaretto oder Rum trinke – schlecht wird mir sowieso! Niemals gibt es etwas Neues, weil jedes Jahr die selben Stände an den selben Stellen stehen und das selbe Angebot haben – nur in jedem Jahr ein bisschen teurer. Und man friert. Und wenn es zu warm ist um zu frieren, so wie in diesem Jahr, dann wird man nass. Leute verschütten ihre Glühweine auf anderleuts Mänteln. Es stinkt nach Fritierfett. Und die Karussells sind auch nicht mehr so schön wie sie es damals waren, als man selbst noch ein Kind war.

Aber ich liebe Weihnachten trotzdem.

Dieses Jahr habe ich das erste Mal seit einigen Jahren wieder Kekse gebacken, zusammen mit einer Freundin aus der Uni. Währenddessen hörten wir den wundervollen Weihnachtssender von #Musik und schwelgten in Erinnerungen an unsere Jugend (weil wir so alt sind!).
Erstaunlicherweise beschäftige ich mich nun schon seit einigen Tagen damit, Weihnachtsgeschenke zu basteln und schön zu verpacken und es will und will kein Ende nehmen. Meine ganze Wohnung ist voll mit irgendwelchen weihnachtlichen Artikeln, Tüten, Geschenkpapieren, Schleifenbändern, und in 8 Tagen fahre ich schon nach hause. Bis dahin muss natürlich alles fertig sein und im besten Fall komme ich noch dazu, für das Studium zu lernen und meine Wohnung auf Vordermann zu bringen.
Aber das sind eher so die nebensächlichen Dinge.
Es ist Weihnachten, verdammt, da soll man doch Liebe und Freude empfinden! 🙂

Der Geschmack der Kindheit

„Früher war alles besser!“
Wer kennt diesen Spruch nicht? Zumeist kommt er von den Großeltern, manchmal auch von den Eltern und in einigen Fällen sogar auch von einem selbst.

Ich erinnere mich oft und gerne an meine Kindheit. Nicht nur, an die Erlebnisse, die ich hatte, sondern auch und vorwiegend an Sinnesreize, genauer gesagt an geschmackliche Einzelheiten. Und dann fange ich an, Dinge zu vermissen, die es in den 90er Jahren gab, als ich ein Kind war.

Erinnert ihr euch beispielsweise noch an die Langnese Wintereiskarte? Das Jahr war damals in zwei verschiedene Eiskarten unterteilt und im Winter schien das Augenmerk weniger auf Fruchteis sondern mehr auf Schokolade, Zimt und was nicht sonst noch zum Winter gehört zu liegen. Ich erinnere mich da an ein Eis in Herzform, mit einer Schokoladenglasur, in der sich Haselnussstückchen befanden, wenn ich mich nicht irre. Wie auch immer es beschaffen war, es war eine der besten Eiskreationen, die Langnese jemals zu bieten hatte!
Und überhaupt – wo ist sie nur geblieben, die Wintereiskarte?
War es etwa nicht mehr rentabel, weil im Winter nicht so viel Eis gekauft wird wie in den wärmeren Jahreszeiten?
Meinetwegen könnten sie dieses Eis ruhig auch im Sommer einführen – das schmeckt doch immer!

Ich verstehe es auch nach wie vor nicht, wieso sie damals das Nogger Choc aus dem Programm genommen haben. Gut, es wurde wieder eingeführt, aber was für ein Ersatz ist denn diese Nutellapampe im Inneren? Früher war es ein knallarter Schokokern, an dem man sich die kleinen Milchzähnchen abgebrochen hat und heute kann man es auslutschen wie einen weichen Brei. Eine Schande.

Was mir weiterhin sehr in den Kühlregalen deutscher Supermärkte fehlt, ist der Frufoo Kinderquark von Onken. Ein leckerer Fruchtquark in einem ufoförmigen Becher, in dessen Mitte sich ein Spielzeug versteckte und wenn man ihn leergegessen hatte, konnte man sogar ein Dosentelefon daraus bauen. Das war eine reine Innovation! Und dann gab es ihn auch noch in kleine Schokoufos verpackt, als Haps für zwischendurch.

Aber bleiben wir beim Eis.

Als kleines Kind verbrachte ich die meiste Zeit des Sommers in Cuxhaven und im dortigen Kurpark war einst ein Kiosk, an dem es kein Langneseeis gab. Von welcher Marke genau es war, kann ich heute nicht mehr sagen, aber in jedem Fall gab es ein Eis am Stiel, das eine Käseform hatte und vermutlich nach Vanille und/oder Käsekuchen schmeckte. Ich nannte es immer Käseeis oder Mauseis, denn ich könnte schwören, dass eine Maus auf der Verpackung abgebildet war. Es ist ja auch naheliegend bei der Form.

Und dann wäre da natürlich noch Bum Bum. Eis mit Kaugummigeschmackglasur und Kaugummistiel, von dem sich so selten die ganze Folie entfernen ließ. Und wie man sich den Mund damit beschmieren konnte – eine wahrhaft himmlische Sauerei! Einst war ich auf Klassenfahrt und wir besuchten eine Tropfsteinhöhle. Am Ende aßen wir alle vom Lehrer spendiertes Bum Bum und machten Fotos von unseren beschmierten Visagen.

Was fehlt? Natürlich das grüne Wassereis mit einem roten Kern in Dinosaurierform, was eine limitierte Edition von Langnese zu irgend einem Teil von Jurassic Park gegen 1997 war und ein Eis, was mich stark an die Joghurtgums von Katjes erinnert – kleine Eisdrops aus fruchtiger Pampe in einem Tütchen. Ich mochte beides nicht und anscheinend war ich nicht die einzige, denn auch diese Eissorten gab es nur für eine kurze Weile.

Ich könnte sicherlich stundenlang fortfahren – damals, als das Happy Meal noch Juniortüte hieß und das Spielzeug noch schön und robust war; damals, als noch diese süßen kleinen Dinos in den Überraschungseiern waren; damals, als man noch ein Stück Fleischwurst an der Wursttheke im Supermarkt bekam (ehrlich, ich habe protestiert, als ich irgendwann keins mehr bekam!)…

Wo ist nur der Geschmack der Kindheit geblieben?

Querschneeein

Gleich vorweg: Ich rege mich nicht über den Wintereinbruch auf. Es lohnt sich nicht; es hat sich schon in den letzten zwei Jahren, in denen der Winter kontinuierlich kälter und verschneiter geworden ist, nicht gelohnt.

Es ist nicht das Schneechaos, was mich stört, sondern die Art und Weise, wie die Menschen damit umgehen.

Im Radio hieß es heute Mittag, die KVG hätte sich schon vor Tagen auf den Wintereinbruch und starken Schneefall eingestellt. Mit Stolz in der Stimme sagte dies eine Mitarbeiterin in einem Interview. Das Ende vom Lied ist, dass ich heute Nachmittag eine knappe halbe Stunde auf den Bus wartete – in der Zeit hätten planmäßig drei Busse halten sollen – und bloß zwei Dienstwagen vorbeifuhren; später erschien dann auf der Website der KVG die Meldung, dass der Busverkehr im gesamten Netz eingestellt worden sei und erst ab heute Abend – vielleicht – wieder aufgenommen werde.

Ich machte mich also auf den Fußweg zum Hauptbahnhof, was ich schon viel eher hätte tun sollen, denn letztlich wartete ich länger vergeblich auf den Bus, als ich für den Fußweg gebraucht hätte. Auf dem Weg stolperte ich mitten auf dem Gehweg, oder zumindest dort, wo ich ihn vermutete, über kniehohe Schneeberge. Da hatte ein Hausbewohner ganz eifrig den Weg zu seinem Haus freigeschüppt und dabei alles auf den Gehweg geschmissen – so muss das sein! Auf meinem weiteren Fußmarsch entdeckte ich die tollsten Schikanen durch völlig sinnbefreit geräumte Wege.

Ich dachte an Wetterkriegsführung und plötzlich beschlich mich der Verdacht, dass dieses Chaos eine Verschwörung sein müsse, ein von der Bundesregierung initiierter Komplott, um uns kleinen Lichtern das Leben noch schwerer zu machen und vor allem, um mehr Geld einzutreiben! Wir müssen ja alle so viel heizen, wenn der Winter so lang und kalt ist. Bald gibt es auch sicher noch eine spezielle Steuer auf Streugut – a propos Streugut, ob der letzte Winter wohl Lehre genug war, um die Vorräte in diesem Jahr aufzustocken?