Weihnachtsträume

Dienstag, 23. September 2014.
Seit beinahe 4 Wochen umgehe ich im Supermarkt höchst erfolgreich die Weihnachtsabteilung. Na ja, fast. Ich habe bislang einen Nugatbaumstamm gekauft und vom Stollenkonfekt meiner Mutter genascht. Aber der Endgegner hat mich in diesem Jahr noch nicht besiegt: Die Spekulatius!
Ich liebe Spekus. Ich liebe sie so sehr, ich denke mir quasi täglich neue Dessert- oder Kuchenrezepte mit ihnen aus. Einziges Problem: Wenn ich sie im September schon verspeise, dann möchte ich sie in der eigentlichen Weihnachtszeit nicht mehr. Aber was ist schon die eigentliche Weihnachtszeit? Also ich für meinen Teil habe Weihnachten das ganze Jahr über im Herzen.

Ich habe Weihnachten schon immer geliebt. Ich erinnere mich an schöne Abende mit meiner Familie – wobei diese sicherlich nur schön waren, weil ich noch ein kleines Kind war und die interne Familienproblematik nicht verstanden habe. Aber nennt man Weihnachten nicht ohnehin das Fest der Kinder? Ich erinnere mich an viele leckere Speisen, die meine Oma gekocht hat. Und insbesondere an 1995 erinnere ich mich. Es war das erste Weihnachtsfest, an dem ich meiner Mutter ein Geschenk gemacht habe. Ich war seit jenem Sommer in der Schule und wir haben gemeinsam kleine Büchlein, für unsere Eltern gebastelt, in denen Bilder und Beschreibungen von uns drin waren. Ich konnte es so sehr nicht erwarten, meiner Mutter das Geschenk zu geben, dass ich sie schon am 24. Dezember früh am Morgen ganz aufgeregt aus dem Bett warf. Sie wollte es da noch nicht haben, das fand ich sehr bestürzend. Außerdem war dies das letzte Weihnachtsfest, das ich zusammen mit meinem parkinsonkranken Opa verbringen konnte. Jedenfalls glaube ich, dass meine Großeltern zum Essen bei uns waren, wenngleich ich nicht sagen kann, wie mein gehbehinderter Opa die 4 Etagen zu unserer Wohnung hinaufgekommen ist. Ich bekam einen Legokoffer. Und ich durfte nicht durch’s Schlüsselloch ins abgesperrte Wohnzimmer gucken, damit ich nicht sehen konnte, wie das Christkind mit seinen goldenen Flügeln im Zimmer umherflattert.

1996 war hingegen das Jahr, in dem ich wusste, dass es das Christkind oder dergleichen nicht gibt. Seit wann genau ich mir darüber klar war, vermag ich heute natürlich nicht mehr zu sagen, aber spätestens als der damalige Partner meiner Mutter mit einer großen Tüte in die Wohnung kam, wusste ich, was Sache ist. Ich war jedoch keinesfalls enttäuscht. Stattdessen fühlte ich mich so etwas wie schuldig, dass ich nun in das Weihnachtsgeheimnis eingeweiht war, aber meiner Mutter auch nicht die Überraschung verderben wollte. So glaube ich das zumindest heute. Ist 7 eigentlich zu alt, um Weihnachten durchgespielt zu haben oder ist das noch im Rahmen?

In den letzten Jahren, das muss ich gestehen, war mir Weihnachten leider nicht mehr besonders viel Wert. In den ersten zwei Jahren nach meinem Auszug habe ich bei meinen Eltern zumindest noch den Weihnachtsbaum geschmückt. Das war mir immer sehr wichtig, obschon meine Mutter eher den Eindruck erweckte, als sei es ihr lästig. In meiner eigenen Wohnung hatte ich bislang nie Weihnachtsdekoration und ich finde sie auch nicht schön genug, um mich an zusätzlichen saisonalen Kitschartikeln zu erfreuen. Das mit dem Weihnachtsbaum hörte auf, als ich meine Katzen mit zu meinen Eltern brachte. Katzen und Tannenbaum – eh eh!
Ich muss zugeben, dass ich den Baum schon etwas vermisse.
Was geblieben ist, ist der von meiner Mutter selbstgenähte und -gestrickte Adventskalender, den sie mir jedes Jahr mit der Post nach Kiel schickt. Und jedes Jahr habe ich etwas zu meckern, weil immer gewisse Süßigkeiten darin sind, die ich gar nicht mag. Aber er ist wunderschön und ich freue mich jedes Jahr darüber. Letztes Jahr waren neben den Süßigkeiten Duftteelichter darin, die nach Schokolade rochen. Wann immer ich die Küche betreten hatte, strömte mir dieser tolle Geruch entgegen.

Nun fange ich langsam an, davon zu träumen, später mein eigenes Weihnachtsfest mit meiner eigenen kleinen Familie zu feiern. Ich bin ein Fan von der amerikanischen Weihnachtskultur und dem ganzen Weihnachtsschnickschnack.
Ich möchte später meine Kinder (und mich selbst und den Mann!) in kuschelige Weihnachtspyjamas stecken und an Heiligabend mit ihnen ein tolles Weihnachtsessen einnehmen. Vielleicht gehen wir auch zur Christmesse, falls die Kinder Lust auf ein Krippenspiel und schönen Gesang haben. Dann legen wir schöne Weihnachtsmusik auf, zünden Kerzen überall im Haus an, essen selbst gebackenen Gewürzkuchen und spielen mit den neuen Weihnachtsgeschenken. Zum Schlafen lesen wir den Kindern eine weihnachtliche Gutenachtgeschichte vor und am nächsten Morgen gibt es zum Frühstück heiße Schokolade mit Marshmallows und Zuckerstangen und was man eben sonst so frühstückt, wenn man sich vorstellt, in Amerika zu sein. Und wir haben einen Weihnachtsbaum, in den die Katzen nicht hineinspringen werden und natürlich liegt Schnee. Und die Kinder gucken Weihnachtscartoons im Fernsehen und alles ist wunderschön.

Ich liebe Weihnachten wirklich.

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2 Gedanken zu “Weihnachtsträume

  1. So jetzt hier… auf geht’s. Splitscreen: Lara’s Blog links, Kommentarzeile rechts. sonst wird das mit dem qualifizierten Kommentar heute nix,…

    Hier beginnt der Kommentar:
    Hui…. dachte ich gestern auf dem Weg von der VHS nach Hause „Hey, endlich mal wieder was von Lara zu lesen! Schauste doch mal schnell…. “ hehe joar und dann gleich etwas wozu mir ganz viele Sachen zum „Antworten“ drauf einfielen. So das ich das kommentieren auf heute verschieben musste….

    Spekulatius:
    Ich drücke dir die Daumen. Dieser Endgegner hat mich schon lange besiegt. mindestens 4 Tüten verschiedener Hersteller, haben sich schon in meinem Metabolismus nieder gelassen.

    Weihnachten – Das Fest der Kinder?:
    Ehhhm… da muss was an mir vorrüber gegangen sein! Aus meinen Augen gesehen ist das Fest zu Chrsti Geburt doch längst nur noch eine huldigung an verschiedenste westliche Konsumgötter. Ob Kind oder nicht, der „Normaldenkende“ schenkt doch heute nur noch Kopflos vor sich hin und weil’s von ihm erwartet wird. Das … und das meine ich ganz ehlrich,.. lässt den Ekelpegel in mir nur noch weiter steigen, wenn ich an die Gesellschaft als anonymes Ganzes denke.

    Weihnachten 1995:
    Interessant, dass für dich das Weihnachtsfest dieses Jahres für dich einen besonderen Stellenwert einnimmt, ist es doch das erste Jahr was du explizit erwähnst. Deien schilderung lässt jenes Fest irgendwie „warm“ erscheinen. Meine schemenhaften Erinnerungen belaufen sich da nur auf einen Heulkrampf in den armen meines 8 Jahre älteren Bruders, da unsere Eltern jüngst an eben jenem Tag ihre 20-jährige Ehe für lautstark beendet erklärten. Ich war 12…. und so unterschiedlich kann es an einem 24. Dezember auf dieser Welt sein.
    Deine X-Mas’95-Version gefälltm ir eindeutig besser *gg

    „Ich liebe Weihnachten wirklich“:
    Und schwupps springe ich schon zum letzen Satz in deinem Artikel, der ihn zu lesen, einem richtig Herzenswärme ins Gesicht zaubert. Aber dieser letzte Satz lässt bei mir ein wenig die Nackenhaare gen Himmel strecken. Du sagst du magst die Amerikanische Art das Weihnachtsfest zu begehen. und ja das klingt alles wirklich toll und ich wette ich bin nicht der einzige Leser deines Artikels der dabei ein total schönes Mindmovie hat. Aber sorry …. ist DAS wirklkich „Weihnachten“ ? Oder ist es nicht viel mehr nur das „Brainwashing“ einer zufälligen und nicht beabsichtigten Kooperation der amerikanischen Filmindustrie und eines großen amerikanischen Getränkeherstellers gepaart mit dem Wunsch nach familiärer Harmonie ?
    Sorry wenn das gerade doof rüber kommt. Ich will dich damit auch gar nicht persönlich angreifen… Ich hoffe das weißt du ….
    Es ist nur eben jene von dir so richtig schön fomulierte „ideologie“ mit der ich auf ultimativem Kriegsfuß stehe.

    Vielleicht hilft es, die Motivation meiner bewusst leicht provokant formulierten Fragestellung zu verstehen, wenn ich als Hintergrund dazu erkläre, dass ich für mich Weihnachten (neben dem Geburtstag) gänzlich abgeschafft habe. in meinem Mikrokosmos gibt es nur einen 24. Dezember, der ein ganz normaler Werktag ist. Die Entscheidung habe ich damals auf Basis der einfachsten Fragestellung gefällt. Glaube ich an Gott? Antwort: NEIN! Demanch kann ich auch nicht an die Geburt eines Gottes Sohns glauben, demnach ist auch Weihnachten hinfällig. Alles andere ist entweder gesellschafflicher Zwang (dem ich nicht gewillt bin mich auszustetzen) oder aber hypocrisy in reinkultur.

    Lasset den Shitstorm beginnen 😉

    • Hihi, danke für deinen umfangreichen Kommentar! 🙂
      Ich glaube auch nicht an *den* einen unseren christlichen Gott und auch nicht an ein Jesuskind. Ich gedenke an Weihnachten niemandem, denn dafür brauche ich keinen speziellen Tag. Aber ich gedenke ein bisschen meiner Kindheit und für ein Kind ist Weihnachten etwas ganz Wundervolles!
      Ich möchte jetzt auch keine pro- oder contra-Amerikanismus-Debatte losbrechen. Mir ist vollkommen klar, dass das Weihnachtsfest in unserer westlich geprägten Welt nur noch eine Inszenierung mit Konsumhintergrund ist. Darum geht es mir aber auch nicht.
      Wenn ich im Internet, auf Pinterest, im Fernsehen Bilder von amerikanischen Weihnachtsfesten sehe, dann finde ich es einfach nur ästhetisch sehr schön. Die Pyjamas mit den kleinen süßen Rentieren und Tannenbäumen, die hübschen Tassen mit den Zuckerstangen, mit denen man den Kakao umrührt, rot-weiß gestreifte Pfefferminzbonbons… Mir steigt in Gedanken der zimtige Duft von Weihnachtsgebäck in die Nase und mein Herz wird wie durch Kerzenschein erwärmt. Das empfinde ich nicht, wenn ich an das typisch deutsche Schweinebraten-Weihnachtsfest denke. Das sind Stereotypien, ich weiß. Aber das ist für mich das ideale Kinder-Weihnschtsfest. Die schöne rosige Zukunftsvision meines ersten *eigenen* Familienfests. Mir geht es nicht um teure Konsumgüter, die ich meinen Kindern schenken will. Auch nicht um so ein gestelltes Fröhlichsein, wie man es in amerikanischen Filmen erlebt. Mir geht es im Endeffekt um Dekoartikel, die das Zuhause ganz hübsch machen und die Freude in den Kinderaugen, die ich hoffentlich irgendwann einmal sehen werde, wenn es soweit ist 🙂

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