Yoga und ich

Ich habe es ja nicht so mit Sport. Hatte ich nie. Ich kann keine Freude an Anstrengung empfinden, abgesehen von der Anstrengung beim Renovieren, bei der Arbeit oder beim Tanzen, da dort das Gefühl der Anstrengung eben einfach das notwendige Übel neben einer Tätigkeit ist, die man gerne ausübt. Aber sobald ich mich zu einer anstrengenden Tätigkeit wirklich aufraffen muss, macht sie mir keinen Spaß.

Nun folge ich bei Twitter einer jungen Frau (wobei es mittlerweile sogar schon zwei sind), die irgendwann mit einer 50tägigen Yoga-Challenge anfing und irgendwie, ja irgendwie habe ich, während ich bis letzte Woche bei meinen Eltern war, den Entschluss gefasst, dass ich auch ein bisschen Yoga ausprobieren möchte. Nun nicht direkt als Kursus, zu dem man sich ja auch wieder aufraffen muss, sondern ganz so wie sie es macht, auf dem heimischen Fußboden mit Unterstützung durch Youtubevideos. Und da ich den Entschluss am letzten Dienstagabend fasste, setzte ich mir gleich das Ziel, ab dem nächsten Tag, der ja immerhin Aschermittwoch war, die ganze Fastenzeit hindurch tägliche Yogaübungen zu machen.

Ich ließ mich von meiner Twitterbekannten also ein wenig beraten und versuchte das Anfängervideo von „Yoga with Adriene“. Dieses Video zeigt im Wesentlichen einfache Übungen mit einer Dauer von ca 20 Minuten, was mir als blutiger Anfängerin auch völlig ausreichend erscheint. Ich absolvierte das Workout und am Ende musste ich schon doll pusten, da die armbelastenden Übungen mir doch ganz schön zu schaffen machen. So viel Kraft ich auch in den Beinen habe, so sehr wundert es mich manchmal, dass ich es überhaupt schaffe, mir eine Wasserflasche zum Mund zu führen, weil ich in den Armen so schwach bin. Aber ich habe es durchgezogen und absolvierte jenes Programm fünfmal, also bis einschließlich gestern. Am Freitag taten mir die Arme schon beinahe nicht mehr weh und gestern habe ich das Workout ohne Video aber dafür mit meiner liebsten Entspannungsmusik gemacht. Ich habe mir so auch mehr Zeit dafür lassen können, mich auf meine Pose und meinen Atem zu konzentrieren, denn darauf sollte es ja am ehesten ankommen.

Heute habe ich dann immer mal wieder darüber nachgedacht, welches Ziel ich eigentlich mit Yoga verfolge. Bislang habe ich mir eben gedacht, ich ziehe es durch, um mir zu beweisen, dass ich es kann und um meinen Körper vielleicht ein bisschen flexibler zu machen, aber das wirkliche Ziel stellt sich vielleicht erst zum Ende hin heraus. Gerade zu Anfang ist es für mich auch unglaublich schwer, Entspannung in der Anspannung des Körpers zu finden.
Mit meiner heutigen Übung habe ich mir bis vorhin Zeit gelassen, und um etwas Anderes auszuprobieren, habe ich mir dieses Video herausgesucht. Zuerst kam es mir komisch vor und ich wusste nicht ganz, ob mir diese Übungen etwas bringen würden. Adriene scheint mir mit ihren Übungen schon beinahe etwas in die Fitnessschiene zu gehen, während dieses Video für mein Empfinden den Fokus mehr auf die Entspannung legt.
Während ich die Übungen machte, wurde mir allerdings klar, was in mir geschieht – sowohl in meinem Kopf als auch in meinem Körper. Ich höre also diesen Mann, wie er mit seltsam anmutender Intonation die Übungen erklärt und hier und da ein Mantra spricht und er weist mich als seine „Schülerin“ hin und wieder darauf hin, dass ich meine Aufmerksamkeit auf meine Beine oder meine Arme legen soll und am Ende – ich kann gar nicht glauben, dass ich das so sagen kann, so schön finde ich es – fühle ich, wie mein ganzer schwerer plumper Körper federleicht und tiefenentspannt auf dem Boden liegt und ich muss grinsen, weil es sich so unbegreiflich schön anfühlt. Und in dem Moment wurde mir klar, dass dies genau mein Ziel sein sollte: mich nicht nur zu entspannen, sondern mich glücklich, leicht und beschwingt zu fühlen. Und diese Erkenntnis und das Wissen darüber, dass ich als Mensch mit sehr vielen Hummeln im Arsch mich so entspannt fühlen kann, macht mich in diesem Moment unheimlich glücklich und stolz und ich weiß, dass diese Herausforderung exakt die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit war. (:

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