mehr (meer) Poesie

Manchmal schreibe ich ja. Poesie, Lyrik, kleinere oder größere Texte über die Dinge, die mich so beschäftigen, die mich zum Fühlen bringen. Manchmal sind es klitzekleine Haikus, die nicht viel hermachen, weil sie nichts als meinen Alltag ausdrücken. Aber meistens sind es sehr intime Aufzeichnungen, die mein Innerstes offenbaren. Aus diesem Grunde habe ich immer Hemmungen, diese Schriftstücke zu veröffentlichen; aus Angst davor, dass man mich ob meiner Gefühle auslachen könnte. Dabei ist eigentlich nichts von dem, was ich hier für gewöhnlich von mir gebe, weniger intim als das, was ich in eine hübschere Form presse, nur mit dem Unterschied, dass ich im Falle der Schreibereien zumeist eine weniger konventionelle Sprache verwende und mich mehr der Symbolik und Rhetorik bediene.

An meiner Uni gibt es ein zweimal im Semester erscheinendes „Magazin“ für Lyrik, den „Schnipsel„, bei dem ich kürzlich mein Glück versuchte und einen meiner Texte hinschickte. Er wurde natürlich nicht abgedruckt. Wenn man wenigstens eine begründete Absage bekäme, aber nein, denn was sollte das Herausgeberteam denn schon sagen? „Sorry, wir fanden es irgendwie schöner, unsere eigenen Texte und die unserer engen Freunde abzudrucken“? Denn was mir auffiel war, dass glaube ich jede einzelne Person aus dem Herausgeberteam einen eigenen Text abgedruckt hatte. Weiterhin schimpft sich dieses Magazin als „von Nobodys für Nobodys“ und brüstet sich nicht gerade mit herausragendem Anspruch der Texte. Und wenn es einen Grund gab für mich, daran zu zweifeln, dass mein Text abgedruckt werden würde, dann, weil ich meine Schreibe durchweg als zu naiv und keinem Anspruch gerechtwerdend bewerte. Umso trauriger war ich dann, als ich einsehen musste, dass die Texte in der aktuellen Ausgabe des Schnipsels der reinste Schmu waren.

Jedenfalls. Mein Text wurde nicht abgedruckt und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es noch und nöcher versuchen kann, meine Schriftstücke an den Schnipsel zu schicken – man wird nichts drucken ohne Vitamin B. Also habe ich beschlossen, trotz fehlender Anonymität meine Texte vielleicht hier zu veröffentlichen. Auch wenn ich ein bisschen Angst davor habe. Vielleicht treffe ich ja zumindest hier und da einen Nerv.

 

Der Ozean.

Der Ozean. Mein Ozean. Dein Rauschen berauscht mich. Stehe ich an der Küste, stehe ich im Sand, während Du meine Füße sanft umspülst, so durchfährt mich ein Schauer von Kälte und Begierde, mich gänzlich in Dir zu verlieren. Und es ist egal, dass es regnet, denn all das bist Du, aus der Erde, aus dem Himmel, von allen Seiten greifst Du nach mir, ziehst mich zu Dir heran und flüsterst in mein Ohr „Komm zu mir… Lass Dich fallen… Sei mir nah… Vergehe in mir…“. Bist Du ruhig, so reflektierst Du das Sonnenlicht, und Du strahlst wie ein Juwel, das größte Juwel auf diesem Planeten. Du spiegelst das Licht dieser Welt wider und alle Dunkelheit geht in Dir verloren. Doch ziehen Wolken auf, so tost Du, tobst Du, schlägst Wellen, erzeugst Fluten, Strudel, verschlingst die ganze Erde, wenn Du willst, vernichtest sie und mich. Du bist der beständige Mittelpunkt der Welt. Bin ich auch nicht dort, bist Du es immer, verweilst gleichbleibend gleichmütig an Deinem Platz in dieser Welt, und gleichzeitig bist Du überall, in meinem Kopf, in meinem Herzen, in meinem Körper, in jeder Faser meines Leibes. Du durchströmst mich und sprichst in meinem Kopf die gleichen Worte, immer, für immer. „Komm zu mir… Lass Dich fallen… Sei mir nah… Vergehe in mir…“ Mein Ozean. Du beherrschst den Mond, Du beherrschst mich. Du bist der größte Teil in dieser Welt und ich bin der kleinste. So ziehst Du mich zu dir heran, lockst mich in die Fluten, Du umwirbst mich, umgibst mich, umklammerst mich, streichst mir durchs Haar und flüsterst in mein Ohr Deine ewigen Worte. „Komm zu mir… Lass Dich fallen… Sei mir nah… Vergehe in mir…“ Und ich schließe meine Augen. Und die Welt wird schwarz um mich.

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