Über das Leben und das Fühlen

Viel Zeit ist vergangen, seitdem ich mich zuletzt dazu aufraffen konnte, einen Artikel zu verfassen.

Viel Zeit ist vergangen und viel ist passiert. Schöne Dinge. Traurige Dinge. Traurige Dinge, die im Nachhinein eine positive Wendung genommen haben. Schöne Verwirrungen, die böse ausgegangen sind. Gedanken, die aus dem Nichts in meinem Kopf entstanden sind. Entscheidungen, die tiefgreifende Folgen hatten. Ein Dilemma zwischen Rationalität und Emotion, zwischen Vernunft und Gefühl.

Fragte man mich, was ich selbst für meine exzeptionellste Persönlichkeitseigenschaft halten würde, so würde ich antworten, dass es genau dieses ewige Dilemma ist. Dieses starke Schwanken zwischen den Gegensätzen – sowohl zwischen den besonders positiven und besonders negativen Gefühlen an sich, als auch zwischen der Vernunft und der Intuition. Dies ist es, das mich seit meiner frühesten Jugend, seit der Ausbildung meiner Persönlichkeit, immerzu begleitet. Ich bin ein überaus intuitiver Mensch, was mir jedoch manchmal zum Verhängnis wird. Ich bin eben nicht mehr 14 und muss leider durchaus meine Entscheidungen zum großen Teil rational und gut überlegt treffen, weil die Gegenstände der Entscheidungen einen viel größeren Einfluss auf meine Zukunft und die von anderen Menschen haben. Und diese geforderte Vernunft führt nicht zuletzt dazu, dass ich gegen mich selbst eine Rebellion führe, ständig, weil ich immerzu hin- und hergerissen bin zwischen sich richtig anfühlenden Bauchgefühlen und der Stimme in meinem Kopf, die alles besser weiß und der Meinung ist, dass sie unumstößlich Recht haben muss.

Nun befinde ich mich selbst gerade in einer Phase, in der ich alles infrage stelle, das sich in den vergangenen Jahren in mir und um mich herum entwickelt hat.
Ist es richtig, sich seine Gefühle zu verkneifen und stattdessen rationale Entscheidungen zu treffen, weil ich für jugendliche Leichtigkeit und Unbekümmertheit zu alt geworden bin? Weil jetzt andere Dinge wichtiger sind?
Sollte es falsch sein, sich in Unberechenbarkeiten fallen zu lassen, wenn man damit potentiell sich selbst und seinem – vernünftigen – Plan, selbstbestimmt und nur sich selbst gegenüber verantwortlich zu leben, widerspricht? Sich – im Klartext – auf Nähe einzulassen, die nichts Anderes als unverbindlich genug sein soll, um nicht den Fehler zu begehen, sich zu stark an einen Menschen zu binden? Und wer sagt eigentlich, was zu stark ist? Reicht es, alles zu tun, jedoch nichts zu verbalisieren, um so zu tun, als wäre es gar nicht da und sich immer darauf berufen zu können, dass man nie behauptet habe, es sei dies oder das?
Und wieso muss überhaupt dieses Leben immer kompliziert sein?

In meiner Welt läuft das alles anders.
In meiner Welt, da kann man leben wie man sich fühlt. Da kann man jemandem nah sein und individuell und schubladenlos für diesen Menschen Empfindungen verspüren, ohne dass man ihm irgend etwas schuldig wäre. Ohne dass man irgendjemandem  außer sich selbst etwas schuldig ist. Und ohne dass es ein unmoralisches Verbrechen ist. Denn solange es sich gut anfühlt, ist es richtig. In meiner Welt muss man nicht darüber reden, nachdenken, was gerade eigentlich passiert; die Situation entzaubern, zerpflücken, metaanalysieren und zuletzt zerstören, um sicherzuegehen, was man selbst empfindet und was der Gegenüber empfindet und welche Intentionen man eigentlich hat. In meiner Welt ist das alles unnötig geworden und es zählt nur noch der Moment.

Wenn nun jeder in einer derartigen Welt leben würde, dann wäre vieles wirklich unkomplizierter, schätze ich.

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5 Gedanken zu “Über das Leben und das Fühlen

  1. Sighn
    Aber machst du nicht genau das wenn du dir überlegst, ob nun die Bauch oder die Kopfstimme gewinnt?
    Es gibt nichts gutes, außer man tut es, denn am Ende wird alles gut – so, oder so.

  2. Ich weiß auch nicht, warum das Leben immer kompliziert ist… Wobei, manchmal ist es einfach, aber immer wenn es einfach sein müsste, wird es kompliziert… 😦

  3. In meiner Welt muss man nicht darüber reden, nachdenken, was gerade eigentlich passiert; die Situation entzaubern, zerpflücken, metaanalysieren und zuletzt zerstören, um sicherzuegehen, was man selbst empfindet und was der Gegenüber empfindet und welche Intentionen man eigentlich hat.

    So und nicht anders.
    Danke für deinen Kommentar zu Niphi war ein ganz normaler Junge.

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