Das Dilemma um die Fleischeslust

Nun ist es endlich Frühling – die Sonne scheint, die Luft ist warm und in allen Parks, an allen Seen und Stränden tummeln sich die Menschen, um zu grillen. Wohin man auch riecht, der feine Duft von marinierten Bauchfleischscheiben und Würstchen erfüllt die Luft.
Und immer, wenn eine dieser Aromawolken in meine Nase dringt, wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein englisch gegartes Rumpsteak, kurz von der Flamme geküsst, saftig und blutrot.

Seit nunmehr beinahe 8 Monaten habe ich kein Fleisch angerührt.

Ich aß keine Suppe, in der mal ein Hühnchen schwamm und keine Soße, in der ein Braten gegart wurde. Selbst Instanthühnerbrühe, die vermutlich noch niemals ansatzweise mit einem Federvieh in Berührung kam, meide ich strikt.
Wie es dazu kam, dass ich meine Essgewohnheiten so sehr änderte, ist einfach zu erklären:
Der 21 Jahre andauernde quasi tägliche Genuss von Fleisch ließ am Ende keine Vielfalt mehr zu. Es begann, mir tierisch (haha) zum Hals herauszuhängen.
Meine Eltern fingen pünktlich mit dem Beginn ihrer 50er Jahre an, den Schweinefleischkonsum unseres Haushaltes drastisch zu reduzieren, da das Cholesterin ja plötzlich so gefährlich für sie sei. Was nun umso mehr gekauft wurde, waren Produkte aus Geflügel- und Rindfleisch und freitags gab es beinahe immer Fisch. Außerdem begannen wir, einen Essensplan aufzustellen, der zumeist über einen ganzen Monat ging, da ich mich öfter darüber beschwerte, dass es ständig das Gleiche zu essen gab. Spaghetti Bolognese und Hühnerfrikassee waren mir dabei ein besonderer Dorn im Auge.
Diese Gerichte gab es also nur noch einmal im Monat, was es allerdings nicht besser machte, denn ich war im wahrsten Sinne gesättigt und begann alsbald, diese und jene Fleischvariation abzulehnen.

Wie kam es nun dazu, dass ich den Fleischverzehr komplett ablehnte und die einzige Ausnahme bei Fisch lag?
Ich fand es schlichtweg inkonsequent, gebratenes oder gekochtes Fleisch abzulehnen und geräuchertes wie z.B. in Form und Salami oder Schinken weiterhin zu genießen. Und so hörte ich von einem Tag auf den nächsten Rückfallfrei auf, Fleisch zu essen.

Und genau dort liegt der Hund begraben.

Rückfallfrei.

Rückfallfrei?
Als wäre es eine Sucht, derer ich mich entwöhnen wollte?

Quatsch.
Allerdings erwische ich mich nicht selten dabei, wie ich schmachtend vor einer Bratwurstbude stehe oder eben am Strand den rauchigen Geruch des frisch gegrillten Steaks inhaliere.
Wieso esse ich es dann nicht einfach?

Es ist eine seltsame Mentalität, die sich in den letzten Monaten in meinem Inneren manifestiert hat. Eine Mischung aus Gründen der Askese, gepaart mit vermeintlicher besserer Ernährungsweise, dem Geiz, mein gutes Geld nicht für überteuertes Fleisch auszugeben und purem Ekel.
Wenn ich an den Genuss von Fleisch denke, läuft mir das Wasser im Mund zusammen und gleichzeitig wird mir kotzübel, wenn ich mir vorstelle, dass ich wohl oder übel wieder Fleisch essen muss/sollte, sobald ich irgendwann mal schwanger sein sollte, weil es besser für das heranwachsende Kind ist, sich als Mutter und Wirt nicht vegetarisch zu ernähren.
Und sowieso möchte ich mich auch gar nicht als Vegetarierin bezeichnen, tu es aber der Einfachheit halber manchmal doch.
Dass ich mir damit selbst eine bestimmte Überzeugung unterstelle, macht mir schon beinahe nichts mehr aus. Immerzu schwankte ich zwischen „Fleisch ist so lecker und der Mensch hat nun einmal ein Raubtiergebiss“ und „Tierhaltungs- und Tötungsbedingungen sind schlecht und das Fleisch ist durch Antibiotika konterminiert“ und vielleicht ist es sogar normal, sich im jeweiligen Extremfall an die zugehörige Überzeugung anzupassen.

Und so sage ich in Zukunft einfach: Ich bin kein Vegetarier. Ich esse lediglich kein Fleisch, weil es mir nicht schmeckt und kann somit noch etwas Gutes tun, indem ich ein Mensch weniger bin, der die schlechten Tierhaltungs- und Tötungsbedingungen durch den Konsum von Fleisch unterstützt.

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