Eine ganz normale Liebe

Es gibt eine Menge fragwürdiger Statistiken, die besagen, dass es in einer Liebesbeziehung verschiedene Phasen gibt, von der ersten Verliebtheit über Routine bis hin zum konventionellen „Auseinanderleben“ oder „Entlieben“.
Es mag sogar auch Menschen geben, die behaupten, die Liebe existiere eigentlich gar nicht und sei nur eine von der Gesellschaft über die Jahrhunderte hinweg vorgegaukelte Institution, angelehnt an die steinzeitliche Form der Partnerschaft, zum Zweck, sich nicht bloß fortzupflanzen, sondern auch die Brut gemeinsam zu behüten.
Dementsprechend könnte man das alles auf die Spitze treiben und behaupten, die „Liebe“ in einer Beziehung ende spätestens nach der Zeit, in der das Kind betreut werden muss, insofern kein weiteres Kind gezeugt wird und wenn kein Kinderwunsch besteht, nach der Zeit, in der klar wird, dass es keine Kinder geben soll und man sich auch nicht gemeinsam um ein pseudo-Kind, bspw. einen Hund, kümmern muss.
Dass das Ende dieser „Liebe“ nicht gleichzeitig das Ende der Beziehung bedeuten muss, brauche ich vermutlich nicht erklären, weil sich wahrscheinlich jeder schon mal gefragt hat, wie viel „Liebe“ er eigentlich (noch) für seinen Partner empfindet, wenn überhaupt.

Einst hörte ich jemanden davon reden, dass die „Liebe“, die er empfand, wie ein Naturgesetz sei. Er war betrunken. Ich musste lachen. Rückblickend nicht, weil ich es für lustigen Unsinn hielt, sondern aus Unsicherheit, weil ich mich auf keine genaue Seite stellen kann. Ist die „Liebe“ nun naturgegeben, evolutionsbedingt, oder ist sie erstunken und erlogen, ein Klischee, eine Norm?

Mittlerweile ist es sieben Monate her, dass ich den ersten Anflug einer Verknalltheit emfpand und vor fünf Monaten entstand daraus diese Beziehung.
Besagte fragliche Statistiken meinen zu belegen, dass sich nach etwa einem halben Jahr herausstellt, ob die Bindung von Bestand sein wird, nämlich, indem sich das Liebesempfinden festigt, oder ob es nur eine Schwärmerei, ein Abenteuer war und die Gefüle verblassen.

Die anfängliche Euphorie und das Herzrasen, die Schlaf- und Appetitlosigkeit sind verschwunden und aus den Raupen im Arsch sind ganz erwachsene Schmetterlinge geworden, die sich adäquat im Bauch herumtummeln. Nicht aufdringlich aber doch lebhaft. Diese Liebe ist für mich normal geworden. Alltäglich. Jeden Morgen wache ich auf und denke, wie wundervoll es doch ist, diesen Menschen lieben zu können und von ihm geliebt zu werden und am Abend gehe ich mit dem gleichen wunderbaren Gefühl zu Bett.
Und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, dann drehen die Schmetterlinge kurz auf, werden hibbelig und ganz pubertär und dann schwirren sie umher als hätten sie sich gerade erst aus ihren Kokons geschält und müssten nun die Gegend erkunden. Dann ist es so wie am Abend unseres ersten Kusses und innerlich bin ich wieder 14 und selbst ein junger pubertärer Schmetterling.

Sei die Liebe nun naturgegeben oder erfunden – es ist eine ganz normale und alltägliche Liebe, so wie jeder Tag etwas Neues und Unbekanntes hervorbringen kann. Wer mir da von Routine spricht, der hat es selbst einfach noch nicht erlebt.

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