Das Erstsemester-Syndrom

„Lara, wenn du einem die Welt erklärst, dann scheint alles so schön einfach.“, sagte einst Dennis zu mir. Doch es geschieht manchmal, dass auch ich jemanden brauche, der mir die Welt so erklärt, dass alles für einen Moment ganz leicht erscheint, wie Zuckerwatte, oder Wolken. Sodass man sich keinerlei Sorgen mehr machen muss, zumindest eine kurze Zeit lang.

So kam es dazu, dass ich meinen Kommilitonen C. um eine kurze Unterhaltung bat. Ich musste mich auskotzen, ausheulen, und zwar bei jemandem, der im gleichen Boot sitzt wie ich, der 1:1 nachempfinden kann, wie es mir momentan geht.
Ich redete also von Referaten, Treffen, die ich vergessen hätte, Materialien, die ich vergessen habe, dem nichtdruckenden Drucker, dem nichtfahrenden Auto und der Angst davor, meine Wohnung aufgeben zu müssen. Den größten Kummer bereitet mir allerdings der Druck, den ich mir selbst dadurch mache, dass ich mich allzu sehr mit meinen Kommilitonen vergleiche, die mir so leichtfüßig und klug erscheinen, mit ihren Top-NCs und ihren Elitegymnasien. Es ist nicht schön, zu wissen, dass man selbst das Abitur sehr gut abgeschlossen hat und dennoch eine der Schlechten in der eigenen Kohorte ist.

Und dann verriet mir C. etwas, woran ich so noch nicht dachte…
Ich sei nicht die Einzige, die sich über genau diese Dinge den Kopf zerbrach.
Nun, es ist trivial und Ihr könnt lachen und sagen, dass man mit seinen Ängsten und Befürchtungen in einer Gruppe niemals allein ist, aber wenn man den Tag mit seinen immerlächelnden immerfröhlichen Kommilitonen verbringt, merkt man ihnen nicht an, welche Menschen sie sind, wenn sie die Wohnungstür hinter sich schließen und ihre Schuhe ausziehen.
Er nannte es das Erstsemester-Syndrom.
Das klang so, als würde es bald vorbeigehen, in wenigen Monaten, wenn ich das erste Semester überstanden habe.
Und plötzlich schien die Welt so leicht wie Zuckerwatte.

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2 Gedanken zu “Das Erstsemester-Syndrom

  1. Oh ja, das „Erstsemester-Syndrom“ kenne ich. Die ersten Wochen und Monate sind hart. Gerade dieses „Oh, die Anderen können aber irgendwie mehr.“ war am Anfang ein ziemlicher Schlag ins Gesicht. Mit der Zeit habe ich dann beschlossen, dass es mir mal so ziemlich am Arsch vorbei geht, was die Anderen so machen/können/wissen. Mein Studium, meine Zeit, meine Arbeitsweise. Mit der Zeit ist das Vorwissen nicht mehr so wichtig und allein die Studieninhalte/-ergebnisse zählen. Kopf hoch!

  2. Erstsemester sind immer schrecklich. Ich war so froh, dass ich den einen Kommilitonen schon vom Bund kannte. So wusste ich, wie er tickt und wir haben oft geredet, dass es nur Stress ist.
    Ansonsten hätte ich wohl aufgegeben, weil von den anderen hast du erst über die Semester gemerkt, wo es bei ihnen hapert oder wie sie mit den Streß umgehen. Aber gerade im ersten Semester sieht es so aus, als wären alle besser…
    Da war ich froh mit nem anderen Kommilitonen mit dem wir uns gut verstanden, nen gutes Dreiergespann zu haben, wo man merkte, was man kann und den Stress verteilen konnte.
    Jetzt im Master merke ich, wie einige meiner Kommilitonen noch im Bachelor sind, die mit mir angefangen haben und ich doch gar nicht so schlecht sein kann, aber gerade am Anfang sieht man das nicht.
    Und die Leute, die schon Firmen führen und mit Leichtigkeit nen 1er Schnitt schaffen, gibt es immer. War erstaunt, was manche Leute während des Studiums noch reißen, aber gut, solange es für einen selber vorran geht, können einem die anderen egal sein.
    Also, solange du Leute hast, die hinter dir stehen, wirst du das schaffen und ich stärke dir den Rücken von hier aus. 😉 😀

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