Zu Fuß in Gaarden

Kiel Gaarden. Kiel Gaarden-Ost.
Dies ist der Ort, an den es mich verschlagen hat.
Nicht, weil es hier besonders schön ist – ich bin ja nun Studentin und wie jeder weiß, haben Studenten kein Geld; so also auch ich. Bei der ersten eigenen Wohnung geht es nicht zuerst um die Lage, sondern um das Budget.
Die Straße, in der ich wohne, ist schmal – selbst mit dem gar nicht großen Astra kann ich kaum wenden, da muss schon auf beiden Seiten eine Parklücke frei sein – und mit Kopfsteinpflaster bedeckt, was mein Auto gar nicht mag. Mein Haus ist backsteingemauert, eines von zwei Häusern dieser Art in dieser Hausreihe. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich Hausreihen im 90°-Winkel zu dieser, auch Backstein, viele Satellitenschüsseln, vier Stück über einander, von der untersten ein Kabel über die gesamte Häuserfront gespannt. Angezapft, oder so.
Es wirkt kasernenartig, eine typische Kasernen- oder Arbeitersiedlung der 50er Jahre. Eigentlich gar nicht mal so übel.
Die Parallelstraße zu dieser hier ist ein Teil des Rings, der sich in West- und Ostring unterteilt, die allerdings nicht in einander übergehen und man dadurch nicht in einem Stück zur Uni fahren kann. Eine Hauptstraße also, vierspurig, die Abbiegespuren nicht mitgerechnet. Aber laut ist es hier nicht, nicht einmal, wenn das Fenster offen ist.

Heute Mittag war ich einkaufen und es war das erste Mal, dass ich das „Zentrum“ Gaardens bei Tageslicht betrat (nein, nicht das erste Mal, aber ich ging diesmal ein paar Schritte weiter als bis zum ersten türkischen Supermarkt).
Gaarden, das muss ich sagen, ist Klein Istanbul par excellence, doch es ist keinesfalls vergleichbar mit Herne Sodingen oder anderen Orten von Herne. In Herne, da betritt man die Straße und hört Geblöke und Gekeife.
Hier in Gaarden sitzen Menschen aller Altersklassen zusammen an Kunststofftischen vor türkischen Schnellrestaurants (um mir an dieser Stelle das Wort „Dönerbuden“ zu verkneifen) und sind friedlich und zufrieden. Nun gut, es mag daran gelegen haben, dass gerade Zahltag war und es sich in dieser Hinsicht wahrscheinlich in allen sozialen Brennpunkten ähnlich verhält – mal ganz davon abgesehen, dass ich in beiden Banken der Umgebung keinen Fuß an die Erde bekommen habe.

Ich weiß nicht, wieso es so ist, aber ich war verblüfft und ich musste feststellen, dass diese Ecke der Stadt zwar genau so heruntergekommen ist wie jedes andere Migrantenviertel, das ich kenne, doch dass ich mich hier wohlfühle. Es ist etwas Bekanntes, es ist nicht fremd – ich habe ja meistens in sozialen Brennpunkten gelebt, sei es in Dortmund oder in Herne gewesen – und obwohl ich es nicht schön finde, bin ich doch zufrieden mit dem, was ich hier gefunden habe.
Ein Dutzend türkischer und asiatischer Supermärkte und Tofu im 400g-Block für nur 1,15€.
Und im kleinen Aldi steht die Kassiererin, anstatt sich zu setzen, lässt die Kunden an die Kasse, obwohl schon das hier-jetzt-nicht-mehr-anstellen-pipapo-Schild aufgestellt ist, und schnattert fröhlich mit jedem Kunden. Man kennt sich. Und alle sind gleich.
Mir fiel die Thunfischdose herunter und ein älterer Mann mit Gehhilfe bückte sich, um sie für mich aufzuheben. So etwas gibt es nicht im Pott, zumindest habe ich es noch nicht erlebt.

Auf dem Rückweg von meinem Einkauf setzte ich mich noch auf einen Steinpöller, rauchte eine Zigarette in der Sonne und sah mir die Menschen auf der Straße an. Friedlich lächelnd, mit Kindern, mit Hunden, mit Turban, eine Frau stand am Straßenrand und blätterte in einem Büchlein, das nach einem Touristenführer aussah. Autos, die sich gegenseitig die Vorfahrt nahmen, doch nicht einmal hörte man eine Hupe! (Gut, hier fahren alle wie die Bekloppten und gehupt wird öfter als gebremst ;))

Ich hätte gern mehr Fotos gemacht, doch leider hatte ich die Hände voll.

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