Lieber tot als Windows

Wenn mein Freund diesen Titel liest, wird er kindliche Kichereien ausstoßen und sich konspirativ die Hände reiben.

Für all die jenigen unter Euch, die es noch nicht wissen, hier mein Geständnis:
Ich bin ein Notebook-Killer.

Am Sonntagmorgen schüttete ich eine Tasse Kaffee über mein HP Notebook und habe ihm somit dem Tod überlassen. Dieser trat jedoch nach einem langen Leidensprozess ein. Zuerst versagte die Tastatur. Man konnte diese Funktion jedoch mit lebenserhaltenden Maßnahmen in Form einer USB-Tastatur künstlich übernehmen, sodass zuerst keine Lebensgefahr bestand. Doch dann fing am gestrigen Mittag der Mauszeiger an, sich zu verselbstständigen.
Als säße ein kleiner Mann in meinem Notebook, öffnete der Mauszeiger wahllos Programme jeder Art, legte Ordner und Starter auf meinem Desktop an, wechselte wie von Sinnen die Arbeitsflächen und meldete mich ohne meine Zustimmung von meinem Account ab.
Alsbald wurde es für mich unmöglich auch nur einen Befehl in den Terminal einzutippen und somit betrieben mein Freund und ich per Telefon noch letzte Rettungsversuche, indem wir das Touchpad mit Mühe und Not deaktivierten.
Doch es half alles nichts, das Männchen im Notebook tobte weiter vor sich hin und es blieb mir nichts anderes übrig, als den Kasten zuzuklappen und mich auf einen Abend ohne alles vorzubereiten.

Von meinem Stiefvater ließ ich mir ein altes Medion Notebook geben, Windows XP – ich rührte es kaum an. Gern hätte ich mir zumindest meinen alten Rechner, der wenigstens annähernd schnell funktionierte, in mein Zimmer gestellt, wenn jener Stiefvater ihn nicht vor kurzem hätte abrauchen lassen.

Bestohlen, verraten und verkauft.

So genoss ich also meinen Abend mit WDR5 und dem Stricken der Pantoffeln für meine Oma. Ja, und ein Bild, was schon seit mehreren Wochen unfertig in einer Kiste herumlag, habe ich auch fertiggestellt.

Ich muss sagen… So ganz schlecht war der Abend nicht.
Natürlich hätte ich ICQ, Twitter und Co. auch auf meinem Handy zur Verfügung gehabt, sogar auch in einer nicht allzu schlechten Qualität bzw. Geschwindigkeit. Doch ich habe den Abend eher als nötige Entspannung angesehen.

Nach einiger Zeit merkte ich jedoch, dass das Programm im Radio eher unabwechselungsreich gestaltet war. Ständig diese Nachrichten, dauernde Berichte über die Unruhen in Thailand, die Verschuldung Griechenlands und die bösen bösen Hedgefonds.
Zu guter Letzt träumte ich auch noch davon, dass meine Eltern mit mir nach Thailand auswandern wollten und meine Mutter mich dazu drängte, bloß drei T-Shirts in meinen Rucksack zu packen, weil wir es so eilig hätten. Der Flug sollte übrigens nur 5 Stunden dauern.
Wahrscheinlich mit einem Überschallkampfjet.

Wie Ihr Euch vermutlich denken könnt, tippe ich diesen Eintrag nun nicht mit meinem Handy (obwohl ich ein nettes WordPress-App besitze) – das würde schlichtweg zu lang dauern und ich hätte nicht die Kontrolle darüber, dass der Eintrag am Ende so aussieht, wie er aussehen soll.

Nein, ich habe doch die Windowskiste hochgefahren, eigentlich nur aus dem Grund, dass ich schnell ein Foto bearbeiten wollte, um es auszudrucken und als Vorlage für ein Bild, das ich gern malen würde, zu verwenden.

Nachdem Gimp jedoch gefühlte Jahre damit verbracht hat, alle nötigen Einrichtungen zu laden, dachte ich mir den Titel dieses Eintrags aus und ja, ich muss sagen: Daniel, du hast mich wirklich hervorragend konditioniert.

Womit ich nun den Rest des Abends verbringen werde, steht zwar noch in den Sternen, aber zumindest wird es nichts mit diesem Monster hier vor mir zu tun haben.

Und vielleicht gehe ich zur Abwechslung auch einmal früher schlafen.

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3 Gedanken zu “Lieber tot als Windows

  1. Ja, da war leider nicht mehr viel zu machen, auch wenn ich am Wochenende nochmal einen Blick drauf werfen werde. Das wäre ja gelacht, wenn es am besoffenen Mauszeiger scheitert.

    Notfalls frankensteinen wir den alten Athlon 3000 mit 1,8Ghz zurecht, auch wenn’s den Umweg nach Münster bedeutet. Ich bin da zuversichtlich. :o)

  2. Du hast mein Mitgefühl. Ganz im Ernst. Niemand sollte gezwungen sein an einem Solitaire-Rechner arbeiten zu müssen. =/

    Ich drücke mal die Daumen, dass D. aus E. die Sache zum laufen bringt. 😉

  3. Pingback: Wie ich das Mauszeiger-Männchen besiegte « Laras Blog

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