drei Jah(aa)re

Heute habe ich etwas getan, was ich seit nun mehr als drei Jahren nicht getan habe: Ich habe mich von meinem Pseudofeminismus, wie es einige unter Euch vermutlich nennen würden, getrennt.

Um die Hintergründe zu erfassen, muss ich anmerken, dass ich natürlicherweise blond bin. Seit meiner Geburt war ich hellblond, so wie man es sich bei kleinen Kindern eben vorstellt und mit den Jahren wurde meine Kopfhaarpracht immer dunkler, bis nur noch ein aschiges Mittelblond übrigblieb. Darum fing ich an, meine Haare zu färben. Erst rot, dann blauschwarz, dann wieder rot, seit mittlerweile fast einem Jahr mit Henna.
Doch das ist nur der Kopf, meine übrigen Haare, meine Augenbrauen, meine Wimpern, sie sind immer noch so hellblond wie damals bei meiner Geburt.

Vor drei Jahren gab ich es auf, mir die Beine zu rasieren – und das ist es nun, was Ihr vielleicht als Pseudofeminismus bezeichnen würdet. An eine Frau gehören nun einmal keine Beinhaare. Die Beine müssen glatt und seidig sein, am besten auch noch schön ebenmäßig gebräunt, wenn Frau einen kurzen Rock trägt, was sie zu tun hat, weil sie einfach eine Frau ist.

Dumm nur, dass ich niemals Röcke oder Kleider pur trage, nein, ich trage grundsätzlich Strumpfhosen oder Ähnliches.
Vielleicht denkt Ihr nun auch „Ih, durch Nylonstrümpfe sieht man doch immer noch die Behaarung!“ – denkt Ihr. Ich könnte es auch als Geschenk ansehen, mit so beinahe transparenter Behaarung geboren worden zu sein.

Wie Ihr also sehen könnt, war es ein sinnloses Unterfangen, ständig noch länger als sowieso schon unter der Dusche zu stehen und die Klingen zu schwingen. Meine pure Faulheit und die Tatsache, dass ich Männer lieber mit meinen Kochkünsten als mit seidenglatten Beinen beeindrucke, hat also dazu geführt – so kann man es vielleicht doch feministisch nennen; das Bekochen von Männern allerdings wäre wiederum antifeministisch, also was soll’s.

Heute stieg mir allerdings die Genetik während des Lernens für die morgige Biologieprüfung zu Kopfe, sodass ich mich gezwungen fühlte, etwas außergewöhnlich Sinnfreies zu tun. So schwang ich meinen Hintern unter die Dusche, zog den Rasierer hervor und machte mich an meinen Beinen zu schaffen.
Ich habe den Running-Gag unter meinen Freunden, dass ich mir niemals die Beine rasiere, also zerstört.

Nun sitze ich hier, die Beine frisch eingeschmiert mit Lotion und denke nur an eins… Bitte, Gott, wenn Du doch da draußen sein solltest… Gib mir meine Haare zurück. Ich ertrage es nicht, wie die Hose auf diesem aalglatten Grund herumgleitet, wenn ich mich bewege. Wie ein Fisch in Öl eingelegt.

Es ist wohl doch das Beste, wenn ich Feministin bleibe.

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2 Gedanken zu “drei Jah(aa)re

  1. Nun sitze ich hier, die Beine frisch eingeschmiert mit Lotion und denke nur an eins… Bitte, Gott, wenn Du doch da draußen sein solltest… Gib mir meine Haare zurück. Ich ertrage es nicht, wie die Hose auf diesem aalglatten Grund herumgleitet, wenn ich mich bewege. Wie ein Fisch in Öl eingelegt.

    herrlich

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