Ewig gegen die Wand.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal auf den Artikel über die Dinge, die einen Menschen interessant (…) machen, den ich vor einigen Tagen geschrieben habe, beziehen.

Was bedeutet es, wenn ich solche Gedanken äußere? Man liest diesen Artikel, man denkt sich „joa, nett“ und verschwindet schnell auf einen der umliegenden Blogs mit den bunten Bildchen, den lustigen Geschichten über Urlaube und Unternehmungen und all die tollen Künste.

Heutzutage liest kaum noch jemand aufmerksam stumpfgraue Texte ohne Bilder, in denen es nicht um Sensationen geht, sondern lediglich um das, was der Verfasser denkt.

Unsere Gesellschaft ist viel zu sehr von den Medien und der bunten Schnelllebigkeit des Internets geprägt, als dass sie dem Individuum noch den nötigen Respekt zollen würde. Wir können unsere Meinung frei äußern und deswegen gibt es keine Sensationen mehr, keine Revoluzzer, die noch wirklich etwas erreichen können mit der Kraft ihrer Gedanken.

Natürlich könnte ich mich ebensogut auf den Platz vorm Brandenburger Tor stellen, auf einen kleinen Schemel und meine Gedanken frei herausschreien.
Was würden die Menschen tun?
Sie würden mich verstört und entsetzt über meine vulgäre Ausdrucksweise (wenn ich zornig bin) ansehen, denken, ich sei verrückt oder zumindest ein komischer Kauz, und weitergehen. Mainstream. Ach, guck mal, da hab ich noch schöne Schuhe gesehen. Achja, die neuesten Trends in der neuen Cosmopolitan. Was, wer ist Arte? Ein Fernsehsender über Kunst und Kultur? Ist nicht wahr! Bei mir kommt erst RTL, dann Sat1, dann Pro7 und dann RTL2…

Nennt mich zynisch oder selbstmitleidig. Teilweise ist das sogar gar nicht so unwahr.
Mich kotzt diese Mediengeilheit der Gesellschaft, in der ich leben muss, an. Nein, natürlich muss ich nicht in ihr leben. Ich kann auch auswandern, nach Timbuktu, da gibt es sicher weniger Mediengeilheit als hier.

Was ich damit sagen will ist einfach, dass auf die Meinung des Einzelnen kein Wert mehr gelegt wird, dass es keine Revolution geben wird, solange dafür nicht viele tolle Köpfe mit Sex bezahlen müssen, sich in den Medien, im Internet prostituieren.

Das will ich nicht, so will und werde ich nicht enden.

Und das schaffe ich auch ohne Feedback.
Weil ich es kann.
Weil ich an diese Revolution glaube.

Zum Glück habe ich keinen Fernseher…

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3 Gedanken zu “Ewig gegen die Wand.

  1. Ich würde es nicht unbedingt Mediengeilheit nennen. Es ist ja nicht unbedingt der große „Run“ auf die Medien an sich, sondern eher auf die Aufmachung der Medien, auf groß und bunt und laut und „sensationell“. Sozialvoyeurismus/Populismus/Minderheiten/Migranten inbegriffen. Vor drei Sekunden hatte ich noch einen tollen – in meinen Augen – besseren Begriff dafür, der ist aber irgendwie beim Tippen entflohen. Argh.

    Und ich verstehe sehr gut was du meinst. Ich ertappe mich selbst hin und wieder dabei, wie ich im Feedreader Sachen überspringe, wenn es dann doch mal jmd. wagt mehr als zehn Zeilen ohne Bild zu präsentieren. =/

    • Shame on you!
      Natürlich hast du einerseits Recht damit, dass es die Medien sind, die den Menschen dazu führen, ihnen hörig zu sein.
      Aber der Mensch ist selbst Schuld, wenn er sich dem hingibt. Deswegen liegt es ja nicht in der Hand der Medien, sondern in der des jeweiligen Individuums.

  2. Ich kann nur von mir sprechen, weiß aber, wie ich reagiere, wenn ich auf einen längeren Text stoße. In der Regel bin ich froh, wenn Blog-Einträge aus mehr bestehen, als aus einer kurzen Beschreibung für ein eingebettetes Youtube-Video. Handelt es sich dann noch um eine kritische Auseinandersetzung mit einem Thema (ich werde mal Namen wie Markus Beckedahl, Stefan Niggemeier oder Frank Rieger in den Raum), so kann der Autor davon ausgehen, dass ich mir die Mühe mache, mich damit auseinanderzusetzen.

    Ein für mich nachvollziehbarer Grund, lange Texte nicht mehr in ihrer Gänze zu lesen, ist vor allem die Art, wie wir mit Medien umgehen. Wir haben einen konstanten Netzzugang, was dazu verführt zu denken, dass man später weiterliest (ich ertappe mich ja selbst hier und da dabei, ReadItLater zu benutzen ;)), stehen aber vor dem Problem, dass so ein Bildschirm bzw. Notebook sich nicht ohne weiteres mit in die Küche oder auf die Toilette mitnehmen lässt. Beim Papier ist das anders.

    Folgende Probleme stellen sich leider bei der Meinungspublizierung im Netz: Jeder kann es, viele tun es, einige haben eine prächtige Schreibe und sind kritisch. Das Web 2.0 erlaubt es jedem, die eigene Meinung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so wie jeder die Möglichkeit hat, dies in der Innenstadt zutun. Ich sehe hier aber nicht das Medium an sich oder zwingend die Menschen in der Schuld, sondern die Masse derjenigen, die ebenfalls bloggen oder twittern. Je mehr diese Möglichkeit wahrnehmen, desto schwierigiger wird es, diejenigen zu finden, die mich interessieren.

    In Foren ist das nicht der Fall, weil dort eine konkrete Kategorisierung stattfindet und ein Forum in der Regel bereits eine bestimmte Thematik vorschreibt. Jemand, der in einem Politik-Forum schreibt, der weiß, dass seine Beiträge zumindest von einigen gelesen werden, die sich ebenfalls mit dem Programmieren beschäftigen.

    Blogs sind in der Hinsicht relativ dezentral und man muss sich schon auf die Suche machen und selektieren, bis man jemanden findet, der Themen anspricht, die einem zusagen.

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